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Für manche gehören Überstunden „dazu“. Sie zeigen, wie vielbeschäftigt oder auch unabkömmlich man ist. In anderen Bereichen sind sie notwendiges Übel, um den Betrieb – vielleicht in Stoßzeiten – am Laufen zu halten. Welchen Blick wir auch auf das Thema Überstunden werfen, es geht nicht, ohne verschiedene Berufsgruppen und Hierarchien in die Betrachtung mit einzubeziehen.

Bin ich als Freiberufler wirklich ganz autark in meiner Arbeitszeitgestaltung? Welche Vorgaben macht mein Unternehmen? Es macht einen teils großen Unterschied, zu welcher Berufsgruppe ich gehöre:

  • Unternehmensverantwortliche
  • Leitende Angestellte*r
  • Angestellte
  • Freiberufler und Selbstständige
  • Alle Personen mit Sonderarbeitszeiten

Arbeite ich alleine freiberuflich oder selbstständig, dann gibt es so etwas wie eine Regelarbeitszeit nicht wirklich. Ich kann für mich selber definieren, was meine regelmäßige, tägliche Arbeitszeit sein soll und in welchem Zeitfenster ich meine Arbeit verrichte. Hier kann ich mir möglicherweise viele Freiheiten ermöglichen oder aber, um einen definierten Rahmen zu haben, Zeiten für mich festlegen.

Je kleiner mein Unternehmen ist, desto häufiger kann es sein, dass durch bestimmte Projekte oder Tätigkeiten die geplanten Arbeitszeiten abweichen. Das ist dann voll und ganz mein Risiko – aber ich sollte natürlich schon dafür sorgen, dass ich langfristig gesund meiner Tätigkeit nachkommen kann und mich nicht überlaste.

In punkto Arbeitszeit habe ich als Unternehmer*in mit steigender Betriebsgröße ein größeres Umfeld zu betrachten. Sehr oft fühle ich mich dann, im Sinne meiner Kund*inen, verantwortlich, die Arbeiten fristgerecht zu erledigen, sodass ich selbst Ausfälle im Team durch Mehrarbeit meinerseits abfange. Alternativ kann ich Mehrarbeit natürlich auch auf die Angestellten verteilen.

Als Unternehmer*in oder leitende Angestellte*r größerer Betriebe habe ich ebenfalls keine gesetzlichen Einschränkungen, was meine eigene Arbeitszeit betrifft. Hier kommt allerdings noch verstärkt eine Vorbildfunktion gegenüber allen Mitarbeitenden dazu. Jeder, der für angestelltes Personal verantwortlich ist, hat auch eine Verantwortung für dessen Arbeitszeit. Und hierbei geht es nicht nur darum, dass die geforderten Arbeiten zeitgerecht erledigt werden, sondern auch, dass die Arbeiten in der regelmäßig zur Verfügung stehenden Regelarbeitszeit zu erledigen sind. Ich muss als Vorgesetzte aufpassen, dass die Organisation der Arbeit dies auch unterstützt und sogar hochmotivierte Vielarbeitende beizeiten „eingefangen“ werden.

Angestellte sind durch ihren Arbeitsvertrag verpflichtet, den für sie definierten Aufgabenbereich im Rahmen der vereinbarten Regelarbeitszeit zu bedienen. In einer idealen Welt sind die geforderten Tätigkeiten in der vorbestimmten Zeit regelmäßig gut zu schaffen. Es kann Phasen geben, in denen kurzfristig mehr Zeit für die anstehenden Aufgaben investiert werden muss. Vor allem, wenn ich eine neue Tätigkeit in einem neuen Aufgabenbereich beginne, kann es sein, dass ich die fehlende Routine durch Überstunden abfangen möchte, bzw. muss. Hier kann man sich schnell selbst in eine Falle lancieren. Das Arbeitsumfeld und die Führung gewöhnen sich an den überdurchschnittlichen Arbeitseinsatz. Später, wenn man durch die erfolgte Einarbeitung eine größere Routine hat und die Zeit eigentlich zurückfahren könnte auf die normale Arbeitszeit, dann wirkt das nach außen wie ein Leistungsrückschritt.

Aus meiner langjährigen Erfahrung als Führungskraft kann ich nur jedem raten, im Angestelltenverhältnis die Regelarbeitszeit wirklich als gesetzten Rahmen zu sehen und die mir zugewiesenen Aufgaben tatsächlich in diesem Rahmen zu schaffen. Wenn es Gründe gibt, dass ich mehr Zeit brauche – z. B. bei der oben erwähnten Einarbeitung – dann gönne ich mir dieses „Mehr an Zeit“ nur in Absprache mit meinen Vorgesetzten. Dann kennt die Organisation den Grund für die Mehrarbeit und erwartet – als „gute“ Organisation – auch nach einer gewissen Einarbeitungszeit den beschriebenen „Rückgang“.

Es kann natürlich auch sein, dass ich in einem Umfeld arbeite, wo es kein gleichmäßiges Arbeitsaufkommen gibt. Zeiten mit höherem Arbeitseinsatz wechseln sich ab mit ruhigeren. Hierfür sind flexible Arbeitszeitmodelle mit Zeitkonten ideale Lösungen, die sowohl in den positiven als auch negativen Bereich gehen können. Langfristig gesehen sollten diese Zeitkonten aber immer ausgeglichen sein. Arbeite ich in einem Umfeld ohne diese flexiblen Zeitkonten, dann ist auch hier wieder nur in Abstimmung mit der Führung Mehrarbeit zu leisten.

Bin ich in einem Arbeitsumfeld, in dem ich von Anfang an immer viel mehr Aufgaben bekomme, als ich in meiner Regelarbeitszeit abarbeiten kann und wo ich selber keine Aussicht auf Veränderung sehe, dann ist das, spätestens nach sechs Monaten, ein Grund, von meiner Seite das Gespräch mit meinen Vorgesetzten darüber zu führen.

Und hier kommt ein ganz wichtiger Aspekt in unsere Arbeit hinein: Es gibt nur eine Person, die 100 % für unser Wohlergehen verantwortlich ist – und das sind wir selbst.

Natürlich gibt es auch Arbeitsfelder, die von ihrer grundsätzlichen Ausrichtung her sehr wenig von dem Einzelnen zu beeinflussen sind und wo Mehrarbeit durch häufig kurzfristig eintretende Umstände auftritt. Exemplarisch nenne ich hier mal Dienste bei der Polizei, oder auch – wie wir gerade in der aktuellen Pandemiezeit erleben – im Gesundheitsbereich. Hier geht es sehr oft bei geforderter Mehrarbeit um die Sicherung von Leib und Leben Dritter. Auch hier können die Führung und die Organisation der Arbeit, im Rahmen der dort geltenden Vorgaben, ein mehr oder weniger gutes Umfeld schaffen, was Überstunden betrifft.

Viele von uns arbeiten in den anderen Bereichen, wo es je nach Einstellung der eigenen Führungskraft oder des Unternehmens mehr oder weniger fürsorgliche Arbeitszeitmodelle gibt. Und hier kann die verantwortliche Leitung sehr viel für das Unternehmen tun, indem die Arbeitszeit als begrenzender Faktor verantwortungsvoll eingesetzt wird. Am Ende des Tages kann ein Unternehmen nur langfristig erfolgreich sein, wenn es rücksichtsvoll mit seinen Ressourcen – und hierzu zählen vor allem auch die für sie arbeiten Menschen – umgeht. Die Zeit der Ausbeutung der Arbeitskräfte ist vorbei. Es gibt viele gesetzliche Regelungen, die die Arbeitgeber verpflichten, sowohl für die körperliche als auch mentale Gesundheit ihres Personals zu sorgen. Und gerade vor dem Hintergrund der älter werdenden Bevölkerung kann eine regelmäßige Mehrarbeit ohne gesundheitliche Folgen vom Gros der Menschen nicht geleistet werden. Das müssen Unternehmen mit berücksichtigen.

In der Vergangenheit gehörte es für erfolgreiche Personen fast noch zum Status, möglichst viele Überstunden zu machen. Mit der zunehmenden Verteilung der Arbeit, der Digitalisierung und der Möglichkeiten der Optimierung von Abläufen sollte das heutzutage nicht mehr der Fall sein. Die nachkommenden Generationen bringen eine neue Sicht auf die Vereinbarkeit von Arbeit und arbeitsfreier Zeit mit ein. Arbeit ist nicht mehr Alles – und neben der Leistung und der Karriere zählen auch andere Werte wie u.a. Freiheit, Freizeit oder Familie. Es gilt heute nicht mehr als chic, viele Überstunden zu machen. Und das ist gesund so.

Wenn ich meine Aufgaben nicht in der dafür vorgesehenen Zeit schaffe, sollte ich mich natürlich fragen, woran liegt das:

  • Sind es wirklich zu viele Aufgaben?
  • Brauche ich noch mehr Kompetenz, um diese schneller abzuwickeln?
  • Muss ich einfach mehr Erfahrung, Routine in der Arbeit haben?
  • Sitze ich an der richtigen Stelle?
  • Liegen mir die Tätigkeiten vielleicht überhaupt nicht?
  • Was sind meine Zeitdiebe
  • Sorge ich selber dafür, dass ich zu viel Zeit brauche, weil ich zum Beispiel alles perfekt machen möchte?
  • Neige ich dazu, keine Pausen zu machen, weil alles zu viel ist, und sabotiere mich in meiner Leistungsfähigkeit selbst?
  • Sehe ich die Überstunden als Statussymbol?
  • Habe ich Angst davor, meinen Arbeitsplatz zu verlieren, wenn ich „weniger“ – also die normale Arbeitszeit – arbeite?

Wie ich schon weiter oben geschrieben habe, ist es immer ein Zusammenspiel zwischen dem Arbeitsumfeld und der Art und Weise, wie ich damit umgehe. Ich kann jedem hierbei nur raten: Schauen Sie sich Ihre Situation ganz genau an. Lassen Sie sich ruhig dabei von Ihrer Familie, Ihren Freunden oder einem Coach unterstützen. Ein Perspektivwechsel mit Hilfe von außen kann dabei helfen, eine bessere Sicht auf die Realität zu gewinnen.
Entscheiden Sie dann, was Sie selber in die Hand nehmen können oder verändern wollen. Am Ende des Tages kann nur jeder für sich selbst verantwortlich sein.

Überstunden? – nur zeitlich begrenzt und nur, wenn wirklich notwendig!

 

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Home Office – Fluch oder Segen?

Durch den Ausbruch und die Verbreitung des Corona-Virus‘ gab es im Frühjahr den Lockdown, der die Arbeitswirklichkeit vieler Menschen schlagartig verändert hatte. Sie durften nicht mehr zur Arbeit gehen. Soweit es möglich war, bauten die Firmen ihr Angebot an Heimarbeit aus. Das Home Office wurde zur (Not-)Lösung.

Damals und heute

Die Möglichkeit, regelmäßig von zu Hause zu arbeiten, gerade in den Büroarbeitsbereichen, gibt es schon sehr lange. In größeren Unternehmen wurden sogenannte Teleheimarbeitsplätze eingerichtet. Diese waren genau beschrieben und die Voraussetzung war klar definiert.

Auch ich hatte nach der Geburt meines Sohnes einen Teleheimarbeitsplatz für zwei bis drei Tage in der Woche. Dazu habe ich in meinem Haus ein Zimmer bereitgestellt, das von meinem Arbeitgeber mit Firmenmobiliar eingerichtet wurde. Wir hatten einen separaten Telefonanschluss und Datenleitungen und zur Ausstattung gehörten natürlich der Computer, ein Telefon, ein Faxgerät und ein Drucker. Die Arbeitszeiten an diesem externen Ort entsprachen den Arbeitszeiten am Bürostandort. Natürlich hat mich keiner daran „gehindert“, mich abends, wenn mein Sohn eingeschlafen war, nochmal an den Computer zu setzen.

Mit zunehmender Digitalisierung und Erweiterung der Netze hinsichtlich Bandbreite und Geschwindigkeit wurde das Arbeiten mit dem Computer örtlich immer flexibler. Unternehmen führten das sogenannte mobile Arbeiten ein. Mit dem Firmen-Laptop, dem W-LAN und sicheren Zugangskanälen können die Arbeitnehmer an dem Ort arbeiten, der für sie geeignet scheint. Hier nimmt der Arbeitgeber keinen engen Einfluss mehr auf die Ergonomie des Arbeitsplatzes und die Arbeitszeiten. Nur das Arbeitszeitschutzgesetz ist einzuhalten. Ob man also im Zug, im Café, dem Hotel oder eben zuhause arbeitet, bleibt meist freigestellt.

Klare Vorteile

Einer der großen Vorteile der Home-Office-Arbeit ist der Wegfall der Anfahrtswege. Für viele von uns sind diese lang und oft auch nervenaufreibend. Ich kenne kaum jemanden, der sich über die Verringerung seines Arbeitsweges beschwert. Natürlich gibt es diejenigen unter uns, die mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren und gerade auch den Rückweg als Ritual zum Ende des Arbeitstages nutzen, den Arbeitsweg also gerne „gestalten“. Aber auch für diese Menschen braucht sich nichts in Zeiten des Homeoffice‘ zu ändern. Sie können vor der Arbeit eine Runde fahren und sich nach getaner Arbeit, vor allen Dingen auch zum Setzen eines Schlusspunktes, wieder auf das Fahrrad schwingen und neue Routen erkunden. Durch den Wegfall der Anfahrtszeit gewinnen wir alle „freie Zeit“, die wir bewusst für Dinge einsetzen können, die uns guttun.

Auch die gesteigerte Mobilität – das Arbeiten zu jeder Zeit an jedem Ort – ist ein Gewinn. Solange die Qualität der Arbeit und die „Lieferfristen“ stimmen, stellen viele Vorgesetzte es ihren Mitarbeitern frei, am Ort ihrer Wahl zu arbeiten – ob das nun die ruhige Ecke im schnuckeligen Café nebenan oder ein Konferenzraum im Hotel ist.

Außergewöhnliche Zeiten

Während des Lockdowns beschränkten sich die möglichen Arbeitsorte auf die eigene Wohnung. Und hier fängt auch schon die Differenzierung an. Wenn ich bereits ein gut ausgestattetes Arbeitszimmer mit einem geeigneten Schreibtisch und einem passenden Stuhl hatte, dann war ich schon gut gerüstet für die folgenden Wochen. Für ein paar Tage ist auch der Küchentisch ein möglicher passender Arbeitsort. Zwei Monate Küchentisch oder gar Sofa sind allerdings keine ergonomische Lösung.

Wenn ich mich und meine Arbeit in Videokonferenzen präsentieren, im wahrsten Sinne des Wortes „ins richtige Licht setzen“ möchte, dann spielen auch noch die Beleuchtung und die Hintergrundszenerie eine Rolle:

  • Habe ich die notwendige technische Ausstattung?
  • Bin ich gut hörbar?
  • Wie ist das mit den Nebengeräuschen?
  • Und ja, was trage ich für Kleidung?

Es kann sich zwar witzig anfühlen, wenn man im Pyjama am Online-Meeting teilnimmt, weil man denkt, man wird nicht „in Gänze“ gesehen. Nur, der Wechsel der Kleidung signalisiert nicht nur dem Gegenüber: „Ich bin jetzt im Arbeitsmodus“. Auch man selbst leitet daraus instinktiv den Unterschied zwischen privatem und beruflichem Wirken ab. Es ist wichtig, sich Gedanken darüber zu machen, wie man wirken will und was hilft, in der gewohnten, häuslichen Umgebung in den Arbeitsmodus zu kommen.

Spagat zwischen Beruflichem und Privatem

Eine große Herausforderung bei der Arbeit zu Hause ist das Thema Abgrenzung:

  • Wie schaffe ich es, nach dem Frühstück in den Arbeitsmodus zu kommen?
  • Noch schwieriger, wie schaffe ich es, nach der letzten Aktivität des Arbeitstages wirklich den Wechsel zum Privatleben zu vollziehen, wenn ich keinen örtlichen Wechsel habe?

Ich habe mehr als 20 Jahre Erfahrung mit dem Thema Home Office machen können – in unterschiedlichen Konstellationen. Wenn ich ein eigenes “Büro“ im Haus hatte, war das deutlich einfacher, da ich einen räumlichen Wechsel vornehmen konnte. Ich habe dann meinen Laptop wirklich weggestellt und eingepackt, auch, wenn ich ihn am nächsten Morgen direkt wieder nutzen wollte. Gerade auch in verantwortungsvollen Positionen kann es einem passieren, dass man allzeit erreichbar und im Arbeitsmodus ist, dass man nur noch schnell ein paar Mails checken möchte, weil man ja auf eine wichtige Antwort wartet. Dieses Verhalten führt meist dazu, dass viel mehr Zeit investiert wird, als geplant. Ich kann sowohl aus eigener als auch der Erfahrung meiner Klienten sagen, dass so die notwendige Abgrenzung immer weiter aufgeweicht wird.
Was da hilft, ist ein klares Commitment mit sich selber, am besten mit einer zeitlichen Grenze oder auch mit einer Grenze von zu erledigenden Aktivitäten. Hier ist dann Rückgrat gefragt, wenn zu einer unpassenden Zeit noch ein Anruf der Vorgesetzten erfolgt, bitte ganz kurz noch was zu erledigen. In dieser Situation „nein“ zu sagen und klar zu formulieren: „Ich habe jetzt Feierabend; ich werde mich morgen früh direkt darum kümmern.“, ist absolut legitim und sollte nur in echten Notfällen widerrufen werden. Hier ist die persönliche Kunst des Nein-Sagens gefragt.

Home-Office-Arbeit verführt oft auch zu einer Konzentration der Arbeit. Ein Termin folgt auf den nächsten, es gibt kaum Zeit für Pausen oder den sozialen Austausch. Ich höre in meinem Umfeld oft, dass viele das kurze Gespräch an der Kaffeemaschine, den Austausch auf dem Flur oder auch das gemeinsame Mittagessen in der Kantine vermissen. Wenn der soziale Austausch nicht explizit in den Web-Meetings eingeplant wird, fällt er oft komplett aus. Und da man selbst so intensiv beschäftigt ist, ruft man auch nicht seine Kollegen einfach nur so an, um zu hören, wie es ihnen geht.

Nun gibt es Personen, die strengen soziale Kontakte mehr an als andere. Für sie sind die Zeiten des intensiven Arbeitens im Home Office ein Segen. Sie blühen vielleicht sogar auf ohne den sozialen Kontakt zu anderen. Demgegenüber stehen diejenigen, die unheimlich viel Energie und Motivation aus dem persönlichen Kontakt mit anderen Menschen ziehen. Sie lechzen gerade danach, sich wieder persönlich zu treffen. Denn durch den Lockdown sind nicht nur ihre Kontakte im Arbeitsumfeld abgeschnitten worden, auch sonstige gesellige Aktivitäten fielen fast gänzlich weg.

Tipps & Tricks

Beim Arbeiten im Home Office helfen klare Strukturen und Ordnung. Der Arbeitsplatz sollte möglichst nur mit den Dingen befüllt sein, die ich auch wirklich für die Arbeit benötige. Diese Sachen kann ich dann zum Feierabend schön zusammen-, idealerweise sogar weglegen, so dass sie in dem nun privaten Umfeld nicht mehr im Fokus stehen.

Wenn ich parallel zu meiner Arbeit im Home Office familiären Aufgaben nachgehen muss, wie der Betreuung meiner kleinen und der Beschulung der größeren Kinder, dann ist das Home Office eine kaum lösbare Herausforderung. Ich hatte das Glück, dass mein Sohn sich, wenn er durch eine Erkrankung nicht in der Betreuung war, immer „gesund geschlafen“ hat. D. h. ich hatte für meine Arbeit genügend Zeit und konnte mich in den Wachphasen meines Kindes meist störungsfrei und intensiv kümmern. Dies ist natürlich nicht der Regelfall. Im Lockdown hatten wir meist keine kranken Kinder zu Hause, sondern ganz normale, lebendige, aufmerksamkeitssuchende, aktive Kinder. Ich bewundere jedes Elternteil, das mit dieser Doppelbelastung die Zeit des Home Office‘ halbwegs gut überstanden hat. Diese Anstrengung ist nicht hoch genug zu bewerten, da sie in den meisten Fällen zulasten der persönlichen Zeiten und Ruhephasen erledigt wurde. Andererseits kann die Arbeit im Home Office gerade für Familien mit Kindern eine gelungene Lösung sein, wenn flexible Arbeitszeiten eine passende Abstimmung zwischen Familie und Arbeit ermöglichen.

Nicht zuletzt haben auch viele Führungskräfte positive Erfahrungen mit der erzwungenen Heimarbeit machen können. Überraschenderweise arbeiten die meisten Menschen tatsächlich auch „genug“ und „ordentlich“, wenn man ihnen nicht immer über die Schulter schaut, sondern ihnen vertraut. Diese Erkenntnis, dieses Vertrauen kann ganz neue Perspektiven und Schwung in die Zukunft der Arbeitswelt bringen.

Zum Abschluss noch fünf Tipps, wie das Arbeiten im Home Office effektiver und angenehmer gestaltet werden kann:

  • Nutze ein stimmiges Zeit- und Selbstmanagement.
  • Achte auf eine optimale Arbeitsumgebung – Stichwort: Ergonomie.
  • Setze Grenzen – sieh das Nein als persönlichen Freund an.
  • Unterscheide klar die Arbeits- von der Freizeit.
  • Denke an den regelmäßigen sozialen Austausch mit deinen Kollegen.

Home Office ist – richtig eingesetzt – ein Segen!

Mein Buchtipp für Führungskräfte:
Erfolgsmodell Homeoffice von Alexander Glöckler (Hg.)

Nein sagen – ja bitte!

Gehören Sie auch zu dem Personenkreis, dem es sehr schwerfällt, „nein“ zu sagen? Egal, ob der Chef Ihnen kurz vor Feierabend noch eine neue Aufgabe gibt, der Kollege sich lang und breit über seine neueste Beziehung auslässt oder die beste Freundin dringend Ihre Unterstützung braucht. Sie fragen sich gar nicht, ob sie das wirklich hören oder tun wollen. Sie machen es – und opfern ihre Zeit für andere. Was geschieht mit ihnen in diesen Situationen? Ärgern Sie sich über sich? Wenn es Sie wirklich stört, dass Sie zu oft „ja“ sagen, dann gucken Sie sich diese Situationen genauer an. Denken Sie darüber nach, was ein verpasstes „nein“ langfristig für Sie bedeutet.

Wieder mal ein „nein“ verpasst?

Ein verpasstes „nein“ sorgt dafür, dass ich meine eigenen Bedürfnisse nach hinten stelle und das, was ich eigentlich in dieser Zeit hätte tun wollen, nicht schaffe. Es raubt Zeit. Bei jedem leichtfertig vergebenen „ja“ in Situationen, in denen ich viel lieber „nein“ sagen würde, verschiebe ich – ungewollt – meine persönliche Grenze aus Sicht des Gegenübers. So wird mein Handlungsspielraum, meine persönliche Freiheit, immer kleiner. Und Grenzen, die ich freiwillig verschoben habe, kann ich später nur unter größerer Anstrengung wieder erweitern. Je kleiner mein Handlungsspielraum ist, desto schwieriger wird es für mich, alle Dinge dort unterzubringen. Und das erhöht meinen Stresspegel merklich.

Warum sage ich „ja“ – und meine eigentlich „nein“? 

Sage ich bei Extraaufträgen vom Chef immer „ja“, weil ich mir dadurch eine Karrierechance erhoffe? Oder habe ich Angst vor etwaigen Konsequenzen? Höre ich den Erzählungen und Geschichten meiner Kollegen und Freunde so gerne zu, weil die Geschichten spannend sind und mich wirklich interessieren? Kann ich vielleicht gar nicht genau begründen, warum ich meine Zeit fremdbestimmen lasse?

Helfe ich gerne meinen Freunden und stehe immer bereit, wenn sie Unterstützung brauchen? Mache ich das, weil ich gerne helfe und meine Zeit und Unterstützung verschenke? Mag ich das Gefühl, gebraucht zu werden? Wenn ich diese Anerkennung dann bekomme, kann das den Stress durch die weniger verfügbare Zeit kompensieren, wenn nicht, erhöht es meinen Stresslevel.

Gerade im beruflichen Kontext muss ich mir sehr genau überlegen, wozu ich „ja“ sage und wann ich mein „nein“ einsetze. Gerade für ein stressfreieres Selbstmanagement ist die Abgrenzung durch ein gezielt eingesetztes „nein“ die wirksamste Methode.

Ein „nein“ zur rechten Zeit wirkt wahre Wunder

Als ich nach der Geburt meines Sohnes nach sechs Monaten wieder in die Arbeit eingestiegen bin, war für meinen Arbeitgeber ganz klar, dass ich sehr feste Arbeitszeiten haben würde. Ich habe morgens und abends gestillt, so dass ich pünktlich Feierabend machen musste. Und auch später bin ich immer spätestens um 17:30 Uhr aufgebrochen, um mein Kind von der Tagesmutter abzuholen. Auch diese hatte ein Recht auf einen pünktlichen Feierabend. Hätte ich zu zusätzlichen Aktivitäten am Arbeitsplatz „ja“ gesagt, hätte meine Tagesmutter mein Handeln „ausbaden“ müssen. Und – oh Wunder – meine Haltung wurde akzeptiert, obwohl ich in leitender Position als Projekt- und später als Abteilungsleiterin tätig war. Diese Klarheit und mein bewusstes Grenzen-Setzen brachten mir persönliche Freiheit und reduzierten mein Stresslevel.

Wie sage ich’s?

Auch, wenn wir alle schon im zarten Alter von einem Jahr gelernt haben, „nein“ zu sagen, kommt es uns oft nur schwer über die Lippen. Viele Menschen haben bereits die Erfahrung gemacht, dass ein „nein“ oft auch zur Verschlechterung der Beziehung mit dem Gegenüber geführt hat. Übernehmen Sie die Prinzipien aus dem Harvard-Konzept in Ihre persönliche „nein“-Kommunikation:  Klar in der Sache, weich im Ton.

Mit Hilfe spezieller Antworttechniken können Sie ein „nein“ auf der Sachebene klar vermitteln und die persönliche Ebene unbeschadet lassen.

Folgende Schritte helfen Ihnen, sicher und gekonnt „nein“ zu sagen.

  1. Positive Beziehungsbotschaft
    Wertschätzung oder ein freundliches Wort für den anderen:
    „Vielen Dank für das Vertrauen, das Sie in mich setzen.“
    „Ich würde Ihnen wirklich sehr gerne helfen.“
  2. Klares Nein
    Wenn Sie „nein“ sagen, muss es beim anderen klar und unmissverständlich ankommen. Kein „eigentlich“ oder „lieber nicht“ oder „nur, wenn es nicht anders geht“, sondern
    „Es geht wirklich nicht.“
    „Auf gar keinen Fall können wir das machen.“
    „Ich stehe für diese Sache nicht zur Verfügung.“
  3. Kurze Begründung
    Begründen Sie das „nein“ kurz und knapp. Gehen Sie nicht in die Details, rechtfertigen Sie sich nicht, denn das lädt den anderen zum Diskutieren und zum Widerspruch ein.
  4. Alternativen
    Zeigen Sie dem anderen Alternativen auf, eine Richtung, in die er weiterdenken kann. Zum Beispiel einen Termin, bis wann Sie ihm das Gewünschte doch geben könnten, oder einen Tipp, wohin er sich wenden kann oder eine Idee, wie er stattdessen verfahren kann.

Gekonnt abwägen

Meist fühlen wir instinktiv in unserem Unterbewusstsein, in welchen Situationen es richtig und wichtig ist, „nein“ zu sagen. Denken Sie darüber nach, wann Sie „nein“ und wann Sie „ja“ sagen möchten. Und dann: Machen Sie es einfach – probieren Sie es aus. Üben Sie zunächst in „unbedeutenden“ Situationen, „spielerisch“ im Freundes- oder Familienkreis. Es ist Ihre Zeit. Sie können jede Minute nur einmal einsetzen. Gerade, wenn Sie viel um die Ohren haben, ist es sinnvoll, mit Ihrer Zeit hauszuhalten und Ihr Stresslevel zu beobachten.

Und nicht zuletzt gilt als Faustregel: „Nein“ sagen, wenn möglich, „ja“ sagen, wenn nötig.