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Vor 31 Jahren ist die Berliner Mauer gefallen. Dies war einer der größten Umbrüche der letzten Zeit hier in Deutschland. Für viele von uns ist der Gedanke, im heutigen, geeinten Deutschland zu leben, ganz normal. Gerade auch die Jüngeren unter uns kennen es ja gar nicht anders. Trotzdem gibt es in der Bevölkerung noch Gruppen, die mit den veränderten Rahmenbedingungen unzufrieden sind und lieber auf das zurückblicken, was sie verloren haben.

Wissenschaftler sagen, dass so gravierende Veränderungen mindestens eine Generation – sprich 30 Jahre – brauchen, um in der Gesellschaft etabliert und akzeptiert zu werden.

  • Wie hat sich das Leben für uns im geeinten Deutschland verändert?
    Für Viele hier aus Nordrhein-Westfalen, der Region, in der ich lebe, wohl kaum.
  • Hat sich das Leben für uns alle in Deutschland verbessert?
    Ich meine, grundsätzlich ja. Dies muss man natürlich differenziert betrachten – und individuell gesehen gibt es da sicherlich große Unterschiede.
  • Können wir schon von einem gemeinsamen Deutschland sprechen?
    Auf jeden Fall.

Unter Umbrüchen versteht man Veränderungen im Leben – mit mehr oder weniger gravierenden Folgen für alles Weitere. Die meisten Menschen begegnen Veränderungen erst einmal mit Skepsis, mit Angst, wollen das Bekannte festhalten und nicht loslassen. Das führt im Leben oft zu Hemmnissen und Schwierigkeiten. Aber man kann den Umgang mit Umbrüchen lernen!

Umbrüche im Lebenszyklus

Sie sagen sich jetzt vielleicht: „Ja – so einen großen Umbruch wie den Mauerfall gibt es ja nur selten … das betrifft mich nicht.“
… und das stimmt auch.

In der Kindheit

Kleinere Umbruchphasen in der Familie begleiten uns ein Leben lang. Jede Entwicklungsstufe ist für Kinder eine große Veränderung. Kinder erfreuen sich gerade in der Kleinkindphase jeder „Errungenschaft“ durch Weiterentwicklung, ohne lange in die Vergangenheit zu blicken. Jede Erweiterung des Aktionskreises und der Kompetenzen nehmen sie mit großer Freude an. Und dann kommt der Tag, an dem es in die Kita oder in den Kindergarten geht – und da beginnen die ersten Probleme. Wer Kinder hat, kann sich daran erinnern, dass die Eingewöhnungsphase meist mit viel Tränen oder Wutausbrüchen verbunden war. Plötzlich ist die Veränderung aus Sicht der Kinder nicht nur positiv besetzt. Glücklicherweise gibt sich das auch schnell wieder, die Ablehnung währt nicht lange und der Besuch wird ganz selbstverständlich. Solche Ablehnungsphasen gibt es in vielen Umbruchphasen, z. B. beim Schulstart oder bei größeren Wechseln wie Umzügen. Hier ist schon ein erstes Muster zu erkennen: Wir Menschen haben generell mit Umbrüchen ein großes emotionales Thema.

Beim beruflichen Werdegang

Wenn die Schulzeit zu Ende ist, müssen sich junge Leute sehr früh entscheiden, welchen Weg sie einschlagen sollen:

  • Sind eine Ausbildung oder ein Studium für mich das Richtige?
  • Mach ich erst mal ein Praktikum zum Orientieren oder kann ich mich schon festlegen?
  • Brauche ich eine Auszeit?
  • Möchte ich mich sozial oder ökologisch engagieren oder ins Ausland gehen?

Auch kann sich hier schon der Wunsch nach einer Familie oder gar Kindern stellen. Viele Fragen und immer die Unsicherheit: „Treffe ich gerade die richtige Entscheidung und wie gehe ich damit um?“.

Im Zwischenmenschlichen

Wie läuft es das eigentlich ab, mit der Familiengründung? Zuerst müssen sich Zwei kennenlernen, und das bietet emotional genügend Platz für Hochs und Tiefs. Von der Phase des Verliebtseins, in der man alles durch die hormonelle „rosarote Brille“ sieht – vor allem die jeweiligen Partner – über die Phase der Ernüchterung, hier sieht man plötzlich die Dinge, die einen stören, bis zu dem eingeschwungenen partnerschaftlichen Zusammenleben mit all seinen Höhen und Tiefen. Dies sind kleine Stufen, die einen Umbruch in der Beziehung darstellen und zu emotionalen Stimmungsschwankungen führen können.

Wenn wir jetzt die richtig starken Veränderungen, gravierende Umbrüche, betrachten, wie z. B. das Wachsen der Familie durch die Geburt eines Kindes, dann braucht sich keiner zu wundern, dass nicht immer alles eitel Sonnenschein ist. Natürlich ist die Freude groß, und die Eltern erleben große Glücksgefühle. Allerdings verändert sich das Leben komplett. Es wird gesteuert durch die Bedürfnisse des Babys, das „selbstsüchtig“ instinktgetrieben nur sich im Fokus hat. Veränderte Tagesabläufe, Arbeitsverteilungen in der Familie und der Schlafmangel verstärken die sowieso schon natürlichen emotionalen Reaktionen von uns Menschen. Und dann ist da noch die Außenwelt, die von jungen Eltern verlangt, dass jetzt alles perfekt zu sein hat.

Eine weitere Stufe der heftigen Umbrüche in der Familie stellen Trennungen oder gar der Tod eines geliebten Menschen dar. Dieser Schmerz muss in einer verstärkten emotionalen Verarbeitung, der Trauer, seinen Weg finden. Die individuelle Verarbeitung eines Trauerprozesses kann sehr unterschiedlich sein. Vor nicht allzu langer Zeit gestand man einer Witwe oder einem Witwer das Trauerjahr zu. In dieser Zeit hat es keinen aus dem Umfeld gestört, dass diese Trauer auch ausgelebt wurde. Heutzutage gibt es einen großen gesellschaftlichen Druck, viel schneller damit abzuschließen – wie mit allen Umbrüchen: „Komm klar damit.“

Neben diesen persönlichen Umbruchsphasen kommen noch so einige im beruflichen Umfeld hinzu, die oft von anderen angestoßen werden.

Was macht das mit uns?

Der emotionale Verlauf eines Umbruchs startet meist mit einer Phase der Überraschung, dann reagieren wir mit Verleugnung der neuen Situation und fühlen uns dabei gut und leistungsfähig. Es folgt eine Phase der Frustration die bis zu dem Tiefpunkt der Verzweiflung gehen kann. Wenn wir uns entscheiden nach vorn zu blicken und das neue Umfeld anzunehmen, dann geht es Emotional und Leistungsmäßig wieder bergauf – über die Neugier, die Dinge zu entdecken und anzugehen bis hin zum vollen Engagement, wo wir wieder emotional gestärkt und voll Leistungsfähig sind.

Das Satir-Veränderungsmodell

Wir starten mit der Ideensuche in der Psychologie. Virginias Satir (* 26. Juni 1916, † 10. September 1988, USA) war eine Psycho- und Familientherapeutin. Ihre Arbeiten flossen in unterschiedliche Gebiete der Psychotherapie, u.a. Gestalttherapie, Körperpsychotherapie, Familienstellen und NLP mit ein. Virginia Satirs Anliegen war es, Menschen ihre Möglichkeiten aufzuzeigen, wie sie ihr „Grundpotential“ nutzen konnten, um Wachstum und Frieden zu fördern:

„Ich glaube daran, dass das größte Geschenk, das ich von jemandem empfangen kann, ist, gesehen, gehört, verstanden und berührt zu werden. Das größte Geschenk, das ich geben kann, ist, den anderen zu sehen, zu hören, zu verstehen und zu berühren. Wenn dies geschieht, entsteht Beziehung.“

Virginia Satir hat den ihrer Ansicht nach detektierbaren Phasen auch therapeutische Ansätze zugeordnet:

  1. Stufe: Später Status Quo
    Ermutigen Sie die Menschen, Verbesserungsinformationen und -konzepte von außerhalb der Gruppe zu suchen.
  2. Stufe: Widerstand
    Helfen Sie den Menschen, sich zu öffnen, sich bewusst zu werden und überwinden Sie die Reaktion, zu verweigern, zu vermeiden oder zu beschuldigen.
  3. Stufe: Chaos
    Helfen Sie dabei, eine sichere Umgebung aufzubauen, in der sich die Menschen auf ihre Gefühle konzentrieren, ihre Angst erkennen und ihre Unterstützungssysteme nutzen können.
  4. Stufe: Integration
    Bieten Sie Beruhigung und Hilfe bei der Suche nach neuen Methoden zur Bewältigung von Schwierigkeiten.
  5. Stufe: Neuer Status Quo
    Helfen Sie den Menschen, sich sicher zu fühlen, damit sie üben können. (Anm.- Zuvor war gesiezt worden / daher hier angeglichen)

Was kann mir bei Umbrüchen helfen?

  • Sich selber gut zu kennen: Wie gehe ich mit Veränderungen um?
  • Zu wissen, was Veränderungen mit uns machen, auch emotional.
  • Emotionen zulassen.
  • Sich mit anderen austauschen.
  • Eigene Resilienzfähigkeit kennen und ausbauen.
  • Sich professionelle Hilfe, vor allem in kritischen Situationen, suchen.

 

Manchmal kann ein Gespräch mit einem Coach klärend und befreiend, mobilisierend wirken; immer dann, wenn man den ersten Schritt vielleicht noch nicht sieht oder gehen kann.

 

Klar ist, Umbrüche gehören zu uns, begleiten unser Leben.

Gestalten wir sie also aktiv!