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WWW

Nein – hier geht es nicht ums Internet, sondern um die bewusst positive Wahrnehmung aller Dinge, die beruflich wie privat „gut gelaufen sind“ (WWW – what went well – was lief gut), in einem bestimmten Zeitfenster – und eigentlich fortwährend.

Wie funktioniert unser Leistungssystem „eigentlich“?

Wir machen das Ganze an einem Beispiel etwas plastischer: Ihr Kind hat letzte Woche ein Diktat geschrieben. Heute kommt es mit der korrigierten Arbeit nach Hause. Der Text bestand aus zwei Seiten mit ungefähr 600 Wörtern, zwei davon hat Ihr Kind falsch geschrieben. Sie sind dick rot unterstrichen und sogar noch an der Seite extra markiert. Die Note ist eine 2+. Was macht das mit Ihrem Kind?

Schön früh werden wir darauf getrimmt, Fehler zu vermeiden. Wir bekommen sie „prominent“ angezeigt. Was merkt sich also Ihr Kind im oben genannten Beispiel, das die Rechtschreibung eigentlich schon sehr gut beherrscht:

„Dass ich so viel richtig geschrieben hab, ist zwar o. k., aber die beiden falschen Wörter zählen mehr.“

Wenn die Kinder die Schule verlassen, geht es in der Ausbildung oder dem Studium im gleichen Modus weiter. Auch da zählen primär die Fehler. Im Arbeitsleben sieht es – größtenteils – nicht anders aus. Man konzentriert sich auf das Negative.

Ein weiteres Beispiel ….

Sie haben Ihrer Mitarbeiterin bzw. Mitarbeiter eine klar umschriebene Aufgabe übertragen. Darin gab es schwierigere und einfachere Elemente. Insgesamt wurde die Aufgabe so gut erledigt, dass mit den Ergebnissen direkt weitergearbeitet werden konnte. Bei einem Teilelement wurde jedoch, basierend auf der Unerfahrenheit in diesem Thema, ein ungenaues Ergebnis erreicht. Wie reagieren Sie als Vorgesetzte oder als Vorgesetzter auf diese Leistung?

  • Heben Sie die gut erbrachte Leistung hervor?
  • Konzentrieren Sie sich auf das zu verbessernde Element?

Was bewirkt wohl die Anerkennung bei Ihrer Mitarbeiterin oder Ihrem Mitarbeiter?
Und was bewirkt die Konzentration auf das Defizitäre?

Beim Hervorheben des Guten können Sie später gemeinsam mit Ihrem Teammitglied daran arbeiten, was in welcher Form verbessert werden kann. Sie entwickeln das Teammitglied positiv und gezielt.

Im zweiten Fall, der Konzentration auf das rein Defizitäre, sieht eine Rückmeldung oft so aus:

„Ja, das war insgesamt ganz gut, aber … der eine Teilbereich – nun, da müssen Sie sich wirklich verbessern. So etwas werde ich in Zukunft nicht mehr akzeptieren.“

Was „macht“ die jeweilige Rückmeldung mit Ihrem Teammitglied? Was passiert „innen“?

Fehler machen Sinn

In unserer Kultur wird der Fokus sehr stark auf Fehler gelegt. Wie schon zuvor beschrieben, lernen wir in den meisten Schulen sehr schnell, dass Fehler deutlich hervorgehoben werden und es mehr und mehr darum geht, diese zu vermeiden. Und genau das ist, nicht nur aus meiner Perspektive, der falsche Ansatz.

Grundsätzlich ist es wichtig, immer wieder Dinge auszuprobieren, und wenn man scheitert, neue Wege zu gehen. Jeder von uns hat andere Potenziale, Stärken, Neigungen, mit denen man sich, wenn sie richtig eingesetzt werden, hervorragend entwickeln kann. Und daher ist es unsere erste Aufgabe, als Führungskraft zu schauen, dass wir die „richtigen“ Personen einstellen. Die „passenden“ Potenziale, Stärken und Neigungen für die jeweilige Position sollten zum größten Teil schon vorhanden sein. Es ist nicht immer der Fall, dass Aufgaben so klar auf die Potenziale, Stärken und Neigungen der Angestellten ausgerichtet werden können. Wie kann ich damit umgehen, dass meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter noch Dinge lernen müssen? Gebe ich Anerkennung für (hervorragende) Leistungen oder fokussiere ich immer auf die Schwächen?

Die Antwort ist klar. Fehler bringen oft weiter, sind lehrreich. Und es ist immer besser, durch Lob und Anerkennung das Positive zu verstärken und Schwächen in separaten Entwicklungsgesprächen zu benennen und die Teammitglieder bei der Entwicklung neuer Kompetenzen und der Entwicklung ihres Potenzials zu begleiten. Das stärkt das Selbstwertgefühl und die positive Bindung an das Unternehmen, die Loyalität.

Wie genau funktioniert „WWW“?

Das bestätigt auch die langjährige Forschung aus der positiven Psychologie. Der Fokus auf das Gute unterstützt also sowohl die persönliche Entwicklung der Personen als auch die beruflichen Leistungen dieser MitarbeiterInnen, was letzten Endes zu einer Produktivitätssteigerung und viel Positivem fürs Unternehmen führt.

Das Werkzeug: “WWW – what went well” kann man zum Beispiel sehr schön in Meetings einsetzen. Wenn diese regelmäßig in ähnlicher Zusammensetzung stattfinden, kann man dies als Blitzlicht nutzen, verknüpft mit dem Bericht über die relevanten Ereignisse in der letzten Zeit, um den Fokus auf die gut laufenden Dinge zu legen. Sehr häufig geht es in Meetings eher um Probleme und Hindernisse, was das emotionale Klima des Treffens direkt negativ beeinflusst. Wenn man sich aber zu Beginn eines Treffens erst einmal über die gut laufenden und positiven Entwicklungen austauscht, diese Ergebnisse auch “feiert“ und die jeweiligen beteiligten Personen ihrem Stolz Ausdruck verleihen können, dann entwickelt sich eine positive emotionale Grundstimmung. Dies ist dann auch eine gute Basis, um kreativ neue Ideen zu generieren, vor allem dann, wenn es um Lösungen zu aktuellen Problemstellungen geht. Denn die Lösungssuche bedarf häufig eines guten kreativen Zusammenspieles. Das fördert man in besonderem Maße durch „WWW“.

Für manche mag es eine ziemliche Herausforderung sein, darüber zu berichten, was gut läuft und worauf man stolz ist. Wenn man dies allerdings länger in einer Gruppe praktiziert, dann verschiebt sich nach und nach der Fokus Aller. Die Gruppe sieht die vielen gelingenden Elemente der Arbeit. Und das steigert deutlich die Arbeitszufriedenheit.

Für jeden Einzelnen stellt es ein stärkendes Element im Tag dar, ganz bewusst genau das in den Vordergrund zu heben, was denn gut gelaufen ist. Das erhöht langfristig die eigene Resilienz, die Fähigkeit, auch in schwierigen Zeiten genügend innere, emotionale Abwehrkräfte zu haben. Wenn man dies auch noch in ein kleines Notizbuch schreibt, dann arbeitet man an seiner persönlichen, wertvollen Schatzkiste. Auch hier sollte man bewusst auch  die kleinen Dinge des Tages betrachten. Gerade in einer Zeit, in der es für viele sehr herausfordernde Rahmenbedingungen gibt, kann man den Blick für die gelungenen Aktivitäten des Tages leicht verlieren und sich dadurch selbst an Höchstleistungen hindern.

Ein schönes Instrument ist auch das von Dr. Nico Rose beschriebene Wochenendritual. Jedes Gruppenmitglied darf regelmäßig zum Ende der Woche eine kurze Mail schicken mit den Dingen, die in der Woche gut oder gar herausragend gelungen waren. Die Erstellung der Mail kann das Team gezielt auf das Positive aufmerksam machen. Jeder hatte die feste Aufgabe, in einem Wochenrückblick nur die gelungenen Dinge zu identifizieren und an ihn als Vorgesetzten zu berichten. Der Effekt war, dass sich in dem gesamten Team zunehmend der Fokus auf die positiven Aktivitäten legte und man mit einem guten Gefühl in das Wochenende gehen konnte.

Das klingt doch mehr als nachahmenswert.

Wie können Sie dieses Prinzip nutzbringend für sich einsetzen?

  • Wenn Sie Eltern sind, dann versuchen Sie einfach mal, diesen Blickwinkel – was läuft gut – verstärkt bei ihren Kindern ins tägliche Miteinander einzubringen.
  • Wenn Sie Führungskraft sind, dann analysieren Sie Ihre Führung und Ihren Kommunikationsstil, um zu sehen, wo ihr Fokus aktuell ist.
    Ziel sollte es sein, die verschiedenen Elemente des „was-läuft-gut“-Prinzips auszuprobieren und zu sehen, was das mit Ihnen, Ihrem Team und der emotionalen Stimmung macht.

    • Probieren Sie das WWW-Blitzlicht in Ihren Teammeetings aus.
    • Nutzen Sie WWW täglich in kurzen Feedbacks gegenüber ihren MitarbeiterInnen.
    • Fragen Sie WWW-Ereignisse regelmäßig bei Ihren MitarbeiteInnen, gerne auch per E-Mail, zum Wochenende ab.
    • Machen auch Sie Ihre persönliche WWW-Liste – regelmäßig.

Fangen Sie an, die gelungenen Dinge in Ihrem Leben wahrzunehmen und daraus positive Energie zu ziehen. Am besten funktioniert das, indem Sie dies auch täglich schriftlich dokumentieren. So arbeiten Sie gezielt an Ihrer Resilienz.

 

TIPP: Wenn Sie beginnen, Ihr Verhalten zu ändern, dann wird das für Ihr Umfeld erst einmal irritierend sein. Versuchen Sie, das Ganze einmal einen Monat durchzuhalten, dann werden Sie schon sichtbare Veränderungen im emotionalen Miteinander deutlich erkennen können.

Setze den Fokus auf das gut Gelungene – jeden Tag!

Seien Sie sicher, das Prinzip wirkt! Ich freue mich auf Ihre Erfahrungsberichte!

Eine Grundlage, nach der wir unserer Leben ausrichten, sind unsere Werte.
Werte sind die Grundlage, auf der wir unser Leben gestalten und ausrichten.

Sie werden uns von unseren Eltern und weiteren prägenden Personen in unserem Umfeld in jungen Jahren vorgelebt. Je nachdem, welche Erfahrungen wir damit gemacht haben, verinnerlichen wir diese Werte als hilfreich oder lehnen sie ab. So entwickeln wir unsere Sammlung von Werten, die uns persönlich wichtig sind; sozusagen unsere Top 10. Zu diesem Wertegerüst kommt noch unsere jeweilige „Rolle“, in der wir agieren. Mal bin ich Mutter, Ehefrau, Schwester, Tante, mal Sportkameradin, Chefin oder Kollegin. Mein Grundgerüst an Werten ist immer bei mir. Allerdings können sich die Reihenfolge oder auch einige Werte meiner Top 10 je nach Rolle gravierend verändern. Je nachdem, wie groß die Übereinstimmung der Werte, die in meinem Umfeld gelten, mit meinen Werten ist, fühle ich mich zu den Personen oder Gruppen mehr oder weniger hingezogen oder als Teil davon. Im Allgemeinen beschäftigen wir uns eher selten direkt mit dem Thema. Unsere Haltung zu bestimmten Werten ist uns im Inneren klar und wir leben diese Werte auch oft nach außen sichtbar.

Was genau sind Werte?

Es gibt keine abschließende, allgemeingültige Definition für den Begriff der Werte und was dieser alles umfasst. Das ist auch nicht notwendig, wenn wir uns über Werte austauschen wollen. Im Austausch mit anderen ist es weniger wichtig, die gleiche Definition zu haben, als die gleiche Haltung, die hinter der Akzeptanz von Werten steht.

Hier ist eine Beschreibung, die eine gute Grundlage für das, was Werte für jeden persönlich sind, sein kann:

Ein Wert ist eine Auffassung, die explizit oder implizit sowie für ein Individuum oder für eine Gruppe kennzeichnend ist und welche die Auswahl der zugänglichen Weisen, Mittel und Ziele des Handelns beeinflusst.

Clyde Kluckhohn, 1951

Werte sind also grundsätzliche Themen oder Bedürfnisse, die uns anziehen, die uns im Leben wichtig sind. Es sind Dinge, die wir erreichen möchten, sozusagen positive „hin-zu“-Werte. Die ebenso existierenden „weg-von“-Werte werden in den meisten Diskussion aus psychologischen Gründen ignoriert, man vermeidet sie instinktiv. Wenn sie in den Gedanken eine Rolle spielen, können sie genutzt werden, um genau das Gegenteil als positiven Wert zu definieren, um sich sogar „umzustimmen“. Ein Beispiel: Ich denke gerade: „Ich möchte keinen Streit.“ – Positiv formuliert wird für mich daraus: „Harmonie ist mir wichtig.“

Wie beeinflussen Werte unser Handeln?

Werte haben innerhalb ihres Geltungsbereiches für uns auch noch unterschiedliche Prioritäten. Welche Werte wichtiger, welche unwichtiger sind, hängt von der jeweiligen Prägung und Lebenssituation ab. Der „Lebenssinn“ ist für alle Menschen der höchste Wert:

  • Wofür setze ich mich ein?
  • Was sind meine Träume?
  • Für welche Ziele im Leben nehme ich Herausforderungen in Kauf?

Fehlt der Lebenssinn, werden Menschen depressiv, schlimmstenfalls sogar suizidal, weil das „Leben keinen Sinn“ mehr macht. An diesem Punkt sind alle Menschen psychologisch vereint – aber dann beginnen die Unterschiede in der Wertewelt.

Exemplarisch habe ich einmal 12 Werte aus unterschiedlichsten Bereichen für einen kurzen Überblick herausgegriffen:

–  Abenteuer –  Freiheit –  Mut
–  Macht –  Einfluss –  Leistung
–  Loyalität –  Disziplin –  Ordnung
–  Familie –  Frieden –  Vertrauen
–  Freude –  Geselligkeit –  Offenheit
–  Großzügigkeit –  Heiterkeit –  Kreativität

Der Eine lebt für Ruhm und Anerkennung, der Nächste für Weisheit und Wissenschaft. Für viele Menschen ist die Liebe der höchste Wert im Leben, andere brennen für Erfolg, Reichtum oder politische Lebensqualitäten wie Freiheit und Gerechtigkeit. Je nachdem, wie die individuelle Reihenfolge der persönlichen Werte ausgeprägt ist, können völlig unterschiedliche Entscheidungen und Handlungen daraus folgen.

Zum Bespiel liegt plötzlich das Angebot auf dem Tisch, ins Ausland zu gehen und dort einen neuen Bereich aufzubauen. Ist aktuell der höchste Wert „Abenteuer“ und an zweiter die „Familie“, wird die innere Haltung zur Entscheidung ganz schnell das „ja“ zum Angebot sein. Danach kann ja immer noch geklärt werden, welche Lösung es für die Familie gibt. Liegt die Wertekonstellation allerdings in umgekehrter Reihenfolge vor, also Familie vor Abendteuer, dann ist das Angebot zwar auch reizvoll, eine Entscheidung dafür wird allerdings nur dann getroffen, wenn alle anderen Beteiligten sich auch positiv äußern.

Werte sind nicht wirklich messbar. Jeder von uns empfindet die Umsetzung von Werten und das persönliche Erleben des Verfolgens dieser Werte anders. Wenn wir uns genauer damit beschäftigen, dann sehen wir auch, nach welchen bestimmten Werten wir leben und richten unser Handeln danach aus. Wir fühlen uns gut und gestärkt und motiviert, wenn wir diese Werte auch im Arbeitskontext leben können. Im Gegenteil dazu kann uns fehlende Übereinstimmung in den Werten im Arbeitskontext belasten, frustrieren und so demotivieren.
Übrigens: Gemeinsame Werte zu haben und danach zu leben, stärkt das Zusammengehörigkeitsgefühl in der Gruppe.

Das Wertesysteme bewusst identifizieren

Die Kenntnis über diese vielfältigen Motivationsquellen kann ein wertvoller Schlüssel für die erfolgreiche und individuelle Kommunikation mit unterschiedlichen Menschen sein – auch zu deren Verständigung beitragen. Häufig sind Unterschiede in den Werten ein Grund, warum es zu Streitigkeiten oder Reibereien kommt. Da Werte uns implizit antreiben, werden vermeintliche Sachargumente vorgeschoben. Über die eigenen Werte kann man nicht streiten. Jeder hat seine Reihenfolge und die ist auch richtig so. Wenn dies bekannt ist, kann es akzeptiert und berücksichtigt werden. Gerade im Berufsumfeld kann die Beschäftigung mit den Werten unterschwellig Sympathie oder Antipathie mit dem Unternehmen, Kollegen oder Kontakten transparent machen.

Tipp für die Ermittlung der eigenen Werte

  1. Suchen Sie sich die Werte aus, die am besten zu Ihnen passen und die sie in Ihrem Leben für die wichtigsten halten. Nutzen Sie als Anregung die Dinge, die sie gerne mögen und schauen Sie, welche Werte dahinterstehen können. Ergänzen Sie Ihre Liste mit den Themen, die Sie stören und ermittelten im Umkehrverfahren (s. o.) die positiven Werte, die dahinterstehen.
  2. Streichen Sie diese Liste zusammen, bis Sie Ihre persönlichen „Top 10“ haben.
  3. Sortieren Sie Ihre „Top 10“-Werte in einer Reihenfolge – beachten Sie dabei, dass auch der letzte Platz immer noch wichtig ist, da es ja noch viel Werte gibt, die Sie wahrscheinlich auch gut finden.
    • Tipp 1: Bilden Sie aus den 10 Werten Ihre „Top 5“; dann aus den „Top 5“ die „Top 3“ und dann daraus Ihren Top-Wert, den Ihnen am wichtigsten .
    • Tipp 2: Fangen Sie mit einem Wert an und vergleichen Sie diesen Wert mit allen anderen auf der Liste mit der Fragestellung: „Welcher ist der wichtigere von beiden?“. Notieren Sie jeweils den wichtigeren. Am Ende haben Sie pro Wert unterschiedliche Summen. Das kann beim Ranking helfen
  4. Wiederholen Sie diese Vorgehensweise mit den für Sie passenden Werten in Ihrer Rolle im Beruf. Hier können völlig andere Werte in den „Top 10“ auftauchen, auch kann die Reihenfolge sich verändern.
  5. Wiederholen Sie diese Vorgehensweise für alle Rollen, die Ihnen aktuell wichtig sind.

Die Kenntnis unseres Wertesystems macht unser Leben einfacher

Wenn wir „unsere“ Werte kennen, macht dies das Leben einfacher, da transparenter. Natürlich können auch interne Wertekonflikte zu Entscheidungsschwierigkeiten führen. Nur liegen die Faktoren dann sichtbar vor uns. Nicht immer sind diese inneren Wertekonflikte abschließend lösbar. Gibt es solche Wertekonflikte im außen, dann ist es einfacher, sich von einer Person oder einem Unternehmen zu trennen, wenn sozusagen „die eigenen Werte mit Füßen getreten werden“. Je besser wir uns kennen und verstehen, wieso wir bestimmte Handlungen durchführen, desto mehr können wir aktiv in diese, unserer eigenen Handlungen bewusst eingreifen.

Kenne und lebe Deine Werte!

Home Office – Fluch oder Segen?

Durch den Ausbruch und die Verbreitung des Corona-Virus‘ gab es im Frühjahr den Lockdown, der die Arbeitswirklichkeit vieler Menschen schlagartig verändert hatte. Sie durften nicht mehr zur Arbeit gehen. Soweit es möglich war, bauten die Firmen ihr Angebot an Heimarbeit aus. Das Home Office wurde zur (Not-)Lösung.

Damals und heute

Die Möglichkeit, regelmäßig von zu Hause zu arbeiten, gerade in den Büroarbeitsbereichen, gibt es schon sehr lange. In größeren Unternehmen wurden sogenannte Teleheimarbeitsplätze eingerichtet. Diese waren genau beschrieben und die Voraussetzung war klar definiert.

Auch ich hatte nach der Geburt meines Sohnes einen Teleheimarbeitsplatz für zwei bis drei Tage in der Woche. Dazu habe ich in meinem Haus ein Zimmer bereitgestellt, das von meinem Arbeitgeber mit Firmenmobiliar eingerichtet wurde. Wir hatten einen separaten Telefonanschluss und Datenleitungen und zur Ausstattung gehörten natürlich der Computer, ein Telefon, ein Faxgerät und ein Drucker. Die Arbeitszeiten an diesem externen Ort entsprachen den Arbeitszeiten am Bürostandort. Natürlich hat mich keiner daran „gehindert“, mich abends, wenn mein Sohn eingeschlafen war, nochmal an den Computer zu setzen.

Mit zunehmender Digitalisierung und Erweiterung der Netze hinsichtlich Bandbreite und Geschwindigkeit wurde das Arbeiten mit dem Computer örtlich immer flexibler. Unternehmen führten das sogenannte mobile Arbeiten ein. Mit dem Firmen-Laptop, dem W-LAN und sicheren Zugangskanälen können die Arbeitnehmer an dem Ort arbeiten, der für sie geeignet scheint. Hier nimmt der Arbeitgeber keinen engen Einfluss mehr auf die Ergonomie des Arbeitsplatzes und die Arbeitszeiten. Nur das Arbeitszeitschutzgesetz ist einzuhalten. Ob man also im Zug, im Café, dem Hotel oder eben zuhause arbeitet, bleibt meist freigestellt.

Klare Vorteile

Einer der großen Vorteile der Home-Office-Arbeit ist der Wegfall der Anfahrtswege. Für viele von uns sind diese lang und oft auch nervenaufreibend. Ich kenne kaum jemanden, der sich über die Verringerung seines Arbeitsweges beschwert. Natürlich gibt es diejenigen unter uns, die mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren und gerade auch den Rückweg als Ritual zum Ende des Arbeitstages nutzen, den Arbeitsweg also gerne „gestalten“. Aber auch für diese Menschen braucht sich nichts in Zeiten des Homeoffice‘ zu ändern. Sie können vor der Arbeit eine Runde fahren und sich nach getaner Arbeit, vor allen Dingen auch zum Setzen eines Schlusspunktes, wieder auf das Fahrrad schwingen und neue Routen erkunden. Durch den Wegfall der Anfahrtszeit gewinnen wir alle „freie Zeit“, die wir bewusst für Dinge einsetzen können, die uns guttun.

Auch die gesteigerte Mobilität – das Arbeiten zu jeder Zeit an jedem Ort – ist ein Gewinn. Solange die Qualität der Arbeit und die „Lieferfristen“ stimmen, stellen viele Vorgesetzte es ihren Mitarbeitern frei, am Ort ihrer Wahl zu arbeiten – ob das nun die ruhige Ecke im schnuckeligen Café nebenan oder ein Konferenzraum im Hotel ist.

Außergewöhnliche Zeiten

Während des Lockdowns beschränkten sich die möglichen Arbeitsorte auf die eigene Wohnung. Und hier fängt auch schon die Differenzierung an. Wenn ich bereits ein gut ausgestattetes Arbeitszimmer mit einem geeigneten Schreibtisch und einem passenden Stuhl hatte, dann war ich schon gut gerüstet für die folgenden Wochen. Für ein paar Tage ist auch der Küchentisch ein möglicher passender Arbeitsort. Zwei Monate Küchentisch oder gar Sofa sind allerdings keine ergonomische Lösung.

Wenn ich mich und meine Arbeit in Videokonferenzen präsentieren, im wahrsten Sinne des Wortes „ins richtige Licht setzen“ möchte, dann spielen auch noch die Beleuchtung und die Hintergrundszenerie eine Rolle:

  • Habe ich die notwendige technische Ausstattung?
  • Bin ich gut hörbar?
  • Wie ist das mit den Nebengeräuschen?
  • Und ja, was trage ich für Kleidung?

Es kann sich zwar witzig anfühlen, wenn man im Pyjama am Online-Meeting teilnimmt, weil man denkt, man wird nicht „in Gänze“ gesehen. Nur, der Wechsel der Kleidung signalisiert nicht nur dem Gegenüber: „Ich bin jetzt im Arbeitsmodus“. Auch man selbst leitet daraus instinktiv den Unterschied zwischen privatem und beruflichem Wirken ab. Es ist wichtig, sich Gedanken darüber zu machen, wie man wirken will und was hilft, in der gewohnten, häuslichen Umgebung in den Arbeitsmodus zu kommen.

Spagat zwischen Beruflichem und Privatem

Eine große Herausforderung bei der Arbeit zu Hause ist das Thema Abgrenzung:

  • Wie schaffe ich es, nach dem Frühstück in den Arbeitsmodus zu kommen?
  • Noch schwieriger, wie schaffe ich es, nach der letzten Aktivität des Arbeitstages wirklich den Wechsel zum Privatleben zu vollziehen, wenn ich keinen örtlichen Wechsel habe?

Ich habe mehr als 20 Jahre Erfahrung mit dem Thema Home Office machen können – in unterschiedlichen Konstellationen. Wenn ich ein eigenes “Büro“ im Haus hatte, war das deutlich einfacher, da ich einen räumlichen Wechsel vornehmen konnte. Ich habe dann meinen Laptop wirklich weggestellt und eingepackt, auch, wenn ich ihn am nächsten Morgen direkt wieder nutzen wollte. Gerade auch in verantwortungsvollen Positionen kann es einem passieren, dass man allzeit erreichbar und im Arbeitsmodus ist, dass man nur noch schnell ein paar Mails checken möchte, weil man ja auf eine wichtige Antwort wartet. Dieses Verhalten führt meist dazu, dass viel mehr Zeit investiert wird, als geplant. Ich kann sowohl aus eigener als auch der Erfahrung meiner Klienten sagen, dass so die notwendige Abgrenzung immer weiter aufgeweicht wird.
Was da hilft, ist ein klares Commitment mit sich selber, am besten mit einer zeitlichen Grenze oder auch mit einer Grenze von zu erledigenden Aktivitäten. Hier ist dann Rückgrat gefragt, wenn zu einer unpassenden Zeit noch ein Anruf der Vorgesetzten erfolgt, bitte ganz kurz noch was zu erledigen. In dieser Situation „nein“ zu sagen und klar zu formulieren: „Ich habe jetzt Feierabend; ich werde mich morgen früh direkt darum kümmern.“, ist absolut legitim und sollte nur in echten Notfällen widerrufen werden. Hier ist die persönliche Kunst des Nein-Sagens gefragt.

Home-Office-Arbeit verführt oft auch zu einer Konzentration der Arbeit. Ein Termin folgt auf den nächsten, es gibt kaum Zeit für Pausen oder den sozialen Austausch. Ich höre in meinem Umfeld oft, dass viele das kurze Gespräch an der Kaffeemaschine, den Austausch auf dem Flur oder auch das gemeinsame Mittagessen in der Kantine vermissen. Wenn der soziale Austausch nicht explizit in den Web-Meetings eingeplant wird, fällt er oft komplett aus. Und da man selbst so intensiv beschäftigt ist, ruft man auch nicht seine Kollegen einfach nur so an, um zu hören, wie es ihnen geht.

Nun gibt es Personen, die strengen soziale Kontakte mehr an als andere. Für sie sind die Zeiten des intensiven Arbeitens im Home Office ein Segen. Sie blühen vielleicht sogar auf ohne den sozialen Kontakt zu anderen. Demgegenüber stehen diejenigen, die unheimlich viel Energie und Motivation aus dem persönlichen Kontakt mit anderen Menschen ziehen. Sie lechzen gerade danach, sich wieder persönlich zu treffen. Denn durch den Lockdown sind nicht nur ihre Kontakte im Arbeitsumfeld abgeschnitten worden, auch sonstige gesellige Aktivitäten fielen fast gänzlich weg.

Tipps & Tricks

Beim Arbeiten im Home Office helfen klare Strukturen und Ordnung. Der Arbeitsplatz sollte möglichst nur mit den Dingen befüllt sein, die ich auch wirklich für die Arbeit benötige. Diese Sachen kann ich dann zum Feierabend schön zusammen-, idealerweise sogar weglegen, so dass sie in dem nun privaten Umfeld nicht mehr im Fokus stehen.

Wenn ich parallel zu meiner Arbeit im Home Office familiären Aufgaben nachgehen muss, wie der Betreuung meiner kleinen und der Beschulung der größeren Kinder, dann ist das Home Office eine kaum lösbare Herausforderung. Ich hatte das Glück, dass mein Sohn sich, wenn er durch eine Erkrankung nicht in der Betreuung war, immer „gesund geschlafen“ hat. D. h. ich hatte für meine Arbeit genügend Zeit und konnte mich in den Wachphasen meines Kindes meist störungsfrei und intensiv kümmern. Dies ist natürlich nicht der Regelfall. Im Lockdown hatten wir meist keine kranken Kinder zu Hause, sondern ganz normale, lebendige, aufmerksamkeitssuchende, aktive Kinder. Ich bewundere jedes Elternteil, das mit dieser Doppelbelastung die Zeit des Home Office‘ halbwegs gut überstanden hat. Diese Anstrengung ist nicht hoch genug zu bewerten, da sie in den meisten Fällen zulasten der persönlichen Zeiten und Ruhephasen erledigt wurde. Andererseits kann die Arbeit im Home Office gerade für Familien mit Kindern eine gelungene Lösung sein, wenn flexible Arbeitszeiten eine passende Abstimmung zwischen Familie und Arbeit ermöglichen.

Nicht zuletzt haben auch viele Führungskräfte positive Erfahrungen mit der erzwungenen Heimarbeit machen können. Überraschenderweise arbeiten die meisten Menschen tatsächlich auch „genug“ und „ordentlich“, wenn man ihnen nicht immer über die Schulter schaut, sondern ihnen vertraut. Diese Erkenntnis, dieses Vertrauen kann ganz neue Perspektiven und Schwung in die Zukunft der Arbeitswelt bringen.

Zum Abschluss noch fünf Tipps, wie das Arbeiten im Home Office effektiver und angenehmer gestaltet werden kann:

  • Nutze ein stimmiges Zeit- und Selbstmanagement.
  • Achte auf eine optimale Arbeitsumgebung – Stichwort: Ergonomie.
  • Setze Grenzen – sieh das Nein als persönlichen Freund an.
  • Unterscheide klar die Arbeits- von der Freizeit.
  • Denke an den regelmäßigen sozialen Austausch mit deinen Kollegen.

Home Office ist – richtig eingesetzt – ein Segen!

Mein Buchtipp für Führungskräfte:
Erfolgsmodell Homeoffice von Alexander Glöckler (Hg.)

Ein oft diskutiertes Thema in unterschiedlichsten Lebensbereichen ist die Motivation:

  • Wie motiviere ich Schüler*innen, Auszubildenden, Studierenden?
  • Wie „bewege“ ich meine Mitarbeiter*innen?
  • Wie treibe ich meine Mannschaftsmitglieder zur Höchstform?
  • … und: Wie motiviere ich mich?

Die Liste können wir beliebig fortführen…

Es wird immer wieder versucht, mit unterschiedlichen Methoden Menschen von außen zu motivieren. Dies kann kurz- bis mittelfristig auch passabel funktionieren. Jedoch nutzt sich die beste Motivation, die mich nur von außen motiviert, irgendwann ab.

Motivation durch Wettbewerb

Nehmen wir beispielsweise das im Vertrieb vieler Unternehmen beliebte Ranking- und Wettbewerbssystem. Es gibt Personen, die lassen sich sehr gut durch Wettbewerb motivieren. Sie geben Ihr Bestes und fühlen sich durch die wöchentlichen Rankings, in denen Sie vielleicht immer besser werden, bestätigt in dem, was sie tun. Sie nutzen Verschlechterungen im Ranking wiederum dafür, um entweder noch härter in der Folgewoche zu arbeiten oder sogar etwas zu verändern; sie verwenden Rückschläge als Motivation.

Genauso gibt es Menschen, die zwar täglich ihr Bestes geben, denen das Ranking aber nicht wirklich den Kick gibt, um (noch) mehr oder besser zu arbeiten. Natürlich freut es sie auch, einmal vorne zu stehen, allerdings kann eine schlechte Position diese Mitarbeiter nicht immer motivieren, härter zu arbeiten. Schnell kann da das Urteil fallen, diese Mitarbeiter wären z.B. nicht für den Vertrieb geeignet. Doch vielleicht ist nur die Art der Motivation nicht für diese Mitarbeiter geeignet und sie würden mit anderen Motivatoren grandiose Erfolge für das Unternehmen erzielen…. Das ist durchaus einen zweiten Blick wert.

Motivation durch Bestrafung

Manchmal arbeiten Vorgesetzte auch damit, Strafen „nur“ anzudrohen und den Betroffenen noch die Chance zu geben, diese zu umgehen: „Wenn sich Ihre Leistungen im nächsten Halbjahr nicht bessern, sehe ich für unsere Zusammenarbeit leider schwarz.“ Solche Drohungen führen meist dazu, dass die Mitarbeiter ihre Leistung gerade so weit verbessern, dass sie den negativen Konsequenzen entgehen. Eine echte Motivation entsteht so jedoch nicht.

Im Job kann soziale Bestrafung zwar funktionieren, sie hat aber meist einen bitteren Beigeschmack. Wenn eine Führungskraft ein Teammitglied vor versammelter Mannschaft abkanzelt, brennt sich das ins Gedächtnis ein und diese Person wird versuchen, einen solchen Fehler in Zukunft zu vermeiden. Dies bringt zwar kurzfristig Erfolg. Doch ist Bestrafung – ebenso wie ein Befehl – eine langfristig wenig Erfolg versprechende Art von „Motivation“. Strafe demotiviert, fördert kein gewünschtes, sondern unterdrückt nur unerwünschtes Verhalten und kann zusätzlich Rachegefühle beim Bestraften schüren. Und echtes Engagement des Mitarbeiters unterbindet dieses Führungsverhalten leider auch.

Geld als Motivator

Völlig überschätzt als Motivationsfaktor sind Lohn- und Gehaltserhöhungen. Diese gehören in der Regel zu den sogenannten „Hygienefaktoren“: Die Grundlage muss stimmen. Ab einem bestimmten Level ist die motivierende Wirkung nach sehr kurzer Zeit durch die Gewöhnung daran kompensiert. Wenn man die höhere Summe das erste Mal auf dem Kontoauszug sieht, ist man noch ganz euphorisch. Nach drei Jahren Betriebszugehörigkeit erwartet man die obligatorische Gehaltserhöhung zum Jahreswechsel bereits. Ich spreche hier nicht gegen notwendige Erhöhungen oder Prämien für besondere Leistungen. Man darf nur ihre Wirkung nicht überschätzen. Eine Bindung der Mitarbeitenden ans Unternehmen erreicht man dadurch so gut wie nie. Hier sind andere Faktoren wesentlich wichtiger.

Motivierende Trainer und Vorgesetzte

Gerade im Sport und im Trainingsbereich wird viel von „berüchtigten“ Motivatoren gesprochen. Wenn man sich erfolgreiche „Motivatoren“ und ihre Arbeit genauer anschaut, dann kommt hier eine ganze Ansammlung unterschiedlicher Faktoren zum Tragen, die oft zum einen die Individualität des Einzelnen und zum anderen die Gemeinsamkeiten im Team nutzen. Ein gutes Beispiel aus dem Fußball ist Jürgen Klopp, der schon lange mit einem psychologischen Profil intrinsischer Motivatoren arbeitet. Er kennt für jeden Spieler genau die individuellen Antreiber, die er nutzen oder eventuell bremsen muss. Untersuchungen mit Hilfe des LUXXprofiles haben bei Profi-Fußballern ergeben, dass eine große Mehrheit der Spieler stark durch die Familie motiviert wird. Dies kann sowohl von Trainern als auch vom Umfeld für Leistungssteigerungen genutzt werden.

Jetzt sind natürlich die meisten unter uns nicht mit Profi-Fußballern zu vergleichen. Aber auch im „normalen“ Arbeitsleben stellen wir fest, dass manche Dinge von alleine laufen und wir uns bei anderen Dingen schwertun, sie anzugehen. Wie kann es meine Arbeitswelt verändern, wenn meine Vorgesetzten genau wissen, was mich motiviert und wie sie mir eine Freude machen können oder wo sie mich besser unterstützen können? Auch für mich als Vorgesetzte wäre das Leben doch viel leichter, wenn ich mein Personal und deren innere Antreiber besser kennen würde. Dann würde keiner mehr mit für ihn falschen, externen Motivatoren angetrieben – zeit- und kraftraubend.

Königsweg „intrinsische“ Motivation

Die am stärkste und nachhaltigste wirkende Motivation ist die intrinsische, da sie sich nicht abnutzt. Menschen sind motiviert und zu Veränderung bereit, wenn sie das Gefühl haben, ihre Fähigkeiten sinnvoll einzusetzen und ihre Wünsche verwirklichen zu können. Sie wollen sich weiterentwickeln und – für Unternehmen besonders wichtig – an einer für sie wichtigen Sache mitwirken. Das Streben nach Kompetenz, Selbstverwirklichung und Zugehörigkeit befeuert die intrinsische Motivation. Damit Mitarbeiter intrinsische Motivation erleben, müssen sie in einer Position arbeiten, die zu ihren bewussten und unbewussten Zielen passt. Hier sind Führungskräfte in der Verantwortung, genau hinzuhören, eine gute Personalauswahl zu treffen und das Personal dann an den richtigen Positionen einzusetzen.

Natürlich können wir von außen motivierende Umfelder schaffen. Für die Unternehmensleitung sollte es Priorität haben, jedem Mitarbeiter im Unternehmen dessen individuelle Wichtigkeit zu bestätigen. Jeder Vorgesetzte kann mit einfachen Mitteln für Zufriedenheit und intrinsische Motivation“ sorgen, indem er seinem Mitarbeiter aktiv rückmeldet, warum auch jeder kleinste Posten für den Gesamterfolg wichtig ist.

Eine direkt beim Krankenhaus angestellte Reinigungskraft in einem Hamburger Krankenhaus hat dies sehr schön auf den Punkt gebracht:

Wenn ich hier nicht ordentlich im OP sauber mache, dann arbeitet dort keiner mehr und es werden so keine Leben bei uns gerettet.“

Ebenso ist ein respektvoller und wertschätzender Umgang untereinander ein großer Motivations- und Bindungsfaktor. Wenn ich eine gute Dialog- und Feedbackkultur im Unternehmen habe, dann habe ich die Chance, schnell von Unstimmigkeiten zu erfahren und dagegen etwas tun zu können. Hierzu gehören natürlich beide Seiten. Alle müssen offen über die Dinge reden können, die aktuell die Arbeit oder Zusammenarbeit behindern.

Für Unternehmen sollte immer im Fokus stehen, die Mitarbeiter möglichst so einzusetzen, dass der Unternehmenserfolg gestützt wird. Dafür sollte man die intrinsischen Motive seiner Belegschaft kennen. Und für jeden Einzelnen ist es wichtig, seine Ziele im Leben zu fixieren und motiviert nach deren Erreichung zu streben. Vor allem sollte auch auf die Vermeidung von demotivierenden Umfeldern geachtet werden.

Die stärkste Motivation kommt von innen!

Gute Kommunikation ist ein Schlüsselfaktor in der Mitarbeiterführung und der Zusammenarbeit in Teams. Dort, wo Menschen zusammenwirken, ist es normal, dass es immer wieder Dinge gibt, die nicht wie erwartet laufen. Hier ist Handlungsbedarf, sprich Redebedarf, notwendig – genauso wichtig ist es, die Dinge, die gut oder sogar besser laufen, anzusprechen und anzuerkennen.

Der Austausch zwischen Vorgesetztem und Mitarbeiter hinsichtlich des Miteinanders ist ein wichtiges Element der Mitarbeiterführung. Hier gibt es zum einen die persönliche Wertschätzung, die eher auf die Art und das Verhalten des zu Bewertenden zielt. Zum anderen kann man mittels Feedbacks auch die Leistung des Mitarbeiters, sowohl gute als auch schlechte, verbalisieren. Beim Feedback zur Leistung sind allerdings einige Faktoren zu berücksichtigen, damit man wirklich nur sachlich – auf die erbrachte Leistung bezogen – bewertet.

Feedback als Führungsinstrument

Feedback hat eine große Bedeutung für die individuelle Entwicklung, die Zufriedenheit, die Motivation sowie ein gutes und effektives Miteinander und zählt zu den wesentlichen Führungsinstrumenten. Doch zahlreiche Studien zeigen, dass Mitarbeiter immer noch zu wenig Feedback erhalten. Und auch Führungskräfte bestätigen, zu wenig Feedback zu geben. Warum ist das so?

  • Möchte ich als Führungskraft den Arbeitsfluss durch eventuell kritische Äußerungen nicht stören?
  • Frage ich mich vielleicht, ob Feedback für mein Team überhaupt etwas bringt?
  • Habe ich Bedenken, wie Feedback insbesondere in virtuellen Umgebungen funktioniert?

Veränderungen in der persönlichen Handlungs- oder Verhaltensweise umzusetzen, dauert. Gerade auch der Effekt kritischen Feedbacks ist meist erst später bemerkbar.

Interessanterweise ist zu beobachten, dass Führungskräfte denjenigen mehr Feedback geben, die ihnen ähnlich sind. Ähnlichkeit schafft Verbundenheit und erzeugt eine vermeintliche Sicherheit, die Reaktion auf dieses Feedback einschätzen zu können. Auch erhalten Frauen deutlich weniger Feedback als Männer aus der Einschätzung heraus, dass Männer eher auf die Sachargumente hören.

Feedback geben

Grundsätzlich sollte Feedback immer zeitnah erfolgen; auch, wenn es sich um kritisches Feedback handelt. Wichtig ist jedoch, darauf zu achten, dass beim Feedbackgeber die akuten Emotionen, wie zum Beispiel Ärger, schon wieder verflogen sind. Ansonsten produziert man bei seinem Gegenüber unnötigen – kontraproduktiven – Stress. Feedback wirkt am besten, wenn beide Seiten offen und unbelastet miteinander sprechen können.

Auch positives Feedback wirkt stärker, wenn es unmittelbar gegeben wird. So kann diese Anerkennung zusammen mit der Handlung als positives emotionales Ergebnis verbunden werden. Dies verstärkt die innere Motivation, weiter so zu handeln.

Feedback sollte immer anhand konkreter Situationen formuliert werden. Auch ist zu berücksichtigen, dass die Sicht des Feedbackgebers subjektiv ist. Dies sollte in die Formulierung einfließen in Form sogenannter „Ich-Botschaften“. Geeignete Formulierungen können sein:

  • Diesen Punkt verstehe ich nicht …
  • Das ist bei mir gut angekommen …
  • Ich habe Mühe, den Plan zu begreifen…

Gerade auch das kritische Feedback mit einer Begründung zu rahmen, kann die Wirkung des Feedbacks erheblich erhöhen. Daniel Coyle, Autor von „The Culture Code“, zeigt folgendes Beispiel:

Ich gebe dir diese Rückmeldung, weil ich sehr hohe Erwartungen habe und weiß, dass du sie erfüllen kannst.“ Studierende, die so angesprochen wurden, überarbeiteten ihre Referate häufiger als andere und ihre Leistung verbesserte sich merklich. Durch diese Art der Ansprache wird nicht nur Zugehörigkeit und Wertschätzung vermittelt, erklärt Coyle seine Beobachtungen, sondern auch eine Lernhaltung getriggert, in der Menschen neue Herausforderungen eher annehmen.

Untersuchungen zeigen, dass selbst eine Begründung, die so naheliegend ist, dass man dazu neigt, sie sich zu sparen, die Wirkung einer Rückmeldung erheblich erhöhen kann. Sprechen Sie einfach aus, was Sie zu der Situation denken und was Sie dazu bewegt hat, Feedback zu geben.

Seien Sie auch bei kritischen Feedbacks respektvoll und wertschätzend in Ton und Haltung. So haben die Mitarbeiter die Chance, auf einer emotional stabilen Ebene das sachliche Thema aufzunehmen und als Anstoß für eine Veränderung zu nutzen. Und auch hier sind Sie als Vorgesetzte wieder gefordert. Finden deutliche Veränderungen im Verhalten statt, sprechen Sie dies mit einem positiven Feedback an. Gerade der regelmäßige, konkrete und anlassbezogene Austausch mit den Mitarbeitern kann das Klima und auch die Leistungen im Unternehmen verbessern.

Im virtuellen Raum kann positives Feedback gerne auch in größeren Runden gegeben werden. Kritisches Feedback sollte hingegen nur in kleinster Runde, idealerweise bilateral, erfolgen. Der Wunsch nach einem kurzen Gespräch kann im Meeting coram publico angekündigt, das Feedback jedoch später im bilateralen Kontext gegeben werden. Ein Sichtkontakt mit Kamera ist dabei immer zu bevorzugen, um auch Mimik und Gestik als wichtige Gesprächsbestandteile und Stimmungsindikatoren nicht zu vernachlässigen.

Leitfaden in Kürze:

  • Geben Sie Feedback möglichst zeitnah – emotional stabil
  • Formulieren Sie Ihr Feedback anhand einer konkreten Situation
  • Greifen Sie immer nur eine Situation pro Feedback auf
  • Seien Sie respektvoll und wertschätzend in Ton und Haltung
  • Geben Sie gerade auch kritisches Feedback nur bilateral
  • Begründen Sie, wenn möglich, Ihre Aussage
  • Liefern Sie ggf. Tipps und Handlungsalternativen
  • Geben Sie regelmäßig Feedback

Feedback annehmen

Was mache ich, wenn ich ein Feedback bekomme? Nach den klassischen Regeln des Feedbacknehmens höre ich genau hin, verkneife mir aber jeden Kommentar. Keine Erklärung, keine Entschuldigung, kein Lamentieren. Außer, ich verstehe etwas inhaltlich nicht. Ich höre nur zu – und wenn ich möchte, bedanke ich mich für das Feedback. Dies ist sicherlich der schwierigste Teil, vor allem, wenn es um Kritik geht. Zu beachten ist hierbei für den Feedbacknehmer persönlich, dass das Feedback eine subjektive Wahrnehmung des Gegenübers ist. Gerade, wenn ich die konkrete Situation aus meiner, ebenfalls subjektiven, Sicht ganz anders erlebt habe, so hat doch der andere ein Anrecht auf seine Sicht der Dinge. Und gerade, wenn es sich hier um einen meiner Vorgesetzten handelt, dann gehört es zu meinen Aufgaben, diese Sicht der Dinge als meinen Arbeitsrahmen zu akzeptieren.

Später, wenn man vielleicht eine Alternative für die vorher kritisierte Handlung hat, kann man dies seinen Vorgesetzten mitteilen. Oder – ohne Diskussion – einfach ins Handeln kommen und es zukünftig anders machen. Aufmerksame Vorgesetzte werden diese Veränderung bemerken und später sogar mit einem positiven Feedback herausheben.

Prüfen Sie als Feedbacknehmer bzw. -empfänger also immer, was Sie aus dem Feedback für sich mitnehmen können: „Was kann, möchte und werde ich verändern? Brauche ich Unterstützung oder schaffe ich das selber?“

Leitfaden in Kürze:

  • Seien Sie sich der Subjektivität des Feedbackgebers bewusst
  • Hören Sie genau hin
  • Stellen Sie nur Verständnisfragen, wenn nötig
  • Antworten Sie nicht auf das Feedback – Ausnahme: sich dafür bedanken
  • Entscheiden Sie, was Sie mit dem Feedback machen

Zu guter Letzt

Beide, Feedbackgeber und -nehmer, sollten darauf zielen, eine angenehme und offene Gesprächssituation zu erschaffen. Dies erreicht man unter anderem damit, viel Blickkontakt zu halten und wertschätzend zu kommunizieren. Offenheit signalisierende Körpersprache, positive Formulierungen und „Ich-Botschaften“ können auch im digitalen Meeting zur Auflockerung des Gespräches und für die Schaffung einer guten Gesprächsatmosphäre sorgen. Eine wertschätzende Haltung und Regelmäßigkeit bedingen die Wirksamkeit des Feedbacks als Führungsinstrument.

Seien Sie offen für regelmäßiges Feedback!

Cheryl Sandburg ist die Geschäftsführerin von Facebook und schreibt in ihrem Buch „Lean in“:

„In jeder Klausur dachte ich, ich würde ganz bestimmt eine schlechte Note bekommen und jedes Mal, wenn ich mich nicht blamierte oder sogar glänzte, glaubte ich, irgendwann würde das Spiel aus sein und ich würde auffliegen.“

Kennen Sie das Gefühl vielleicht auch? Früher oder später geht es vielen einmal so. Diese Fehleinschätzung kann vereinzelt und in bestimmten Phasen auftreten oder uns ein Leben lang begleiten. Dieses Phänomen hat sogar einen eigenen Namen: das Impostor- oder Hochstaplersyndrom.

Wer von dem Impostor-Syndrom betroffen ist, hat so starke Selbstzweifel, dass er Erfolge nicht auf sich selbst zurückführen kann. Bei den Betroffenen sind die Zweifel vollkommen unbegründet, denn tatsächlich handelt es sich oft um leistungsstarke und erfolgreiche Menschen. Sie sind demnach keine „echten“ Hochstapler, sondern empfinden in bestimmten Situationen aufgrund ihrer Selbstzweifel die eigene Kompetenz als nicht hoch genug. Sie leben in der Angst, von ihrem Gegenüber als nicht fähig entlarvt zu werden – trotz hohen Leistungsniveaus. Wissenschaftler sagen, dass ca. 70 % der Bevölkerung solche Gefühle kennen und die Angst haben, als Versager identifiziert zu werden.

Insgesamt sind mehr Frauen und ethnische Minderheiten von diesem Gefühl betroffen sowie Menschen, die tatsächlich überdurchschnittliche Leistungen erbringen – zum Beispiel als Fachkraft oder im Top-Management.

Mögliche Ursachen

Die Ursachen für das Hochstapler-Syndrom sind vielfältig. Eine Wechselwirkung zwischen der Anlage, also einer bestimmten Persönlichkeitsstruktur, und bestimmten umweltbedingten Einflussfaktoren ist wahrscheinlich. Auslöser können vor allem in der Kindheit liegen. Eine Ursache liegt auch in unseren modernen Leistungsgesellschaften, in denen man dazu gedrängt wird, sich ständig mit anderen zu vergleichen. Social Media wirkt regelrecht wie ein Brandbeschleuniger für Selbstzweifel, da die Timelines stets voller erfolgreicher Geschichten sind, die zeigen, wie toll wir eigentlich sein könnten oder wie man sein Leben noch stärker auf Erfolg trimmen kann.

Wer permanent das Gefühl hat, nicht gut genug zu sein, setzt sich unter Druck.
Druck macht Stress -> Stress macht krank.

Wer am Impostor-Syndrom leidet, mutiert häufig zum Perfektionisten. Typisch ist es auch, dass man prokrastiniert, also wichtige Aufgaben vor sich herschiebt und sich stattdessen mit den weniger drängenden Themen beschäftigt. Das Impostor-Syndrom an sich ist keine Krankheit; es ist etwas, womit viele Menschen zu kämpfen haben. Vielen Betroffenen ist es gar nicht bewusst, dass sie an diesem Syndrom leiden; wenn aber die Anzeichen genannt werden, fühlen Sie sich angesprochen. Das Gute ist: Sie haben es selbst in der Hand, daran etwas zu ändern. Der erste Schritt ist, Anzeichen hierfür bei sich selbst zu erkennen.

Das können Sie gegen das Impostor-Syndrom tun

Machen Sie Erfolge sichtbar!

  • Visualisieren Sie Ihre Erfolge, die durch eigene Anstrengungen erzielt wurden, mit Hilfe von Listen.
  • Führen Sie Ihr persönliches Erfolgstagebuch:
    • Notieren Sie Ihre positiven Rückmeldungen und besonderen Leistungen.
    • Nehmen Sie bewusst wahr, wenn etwas ganz ohne eigenes Zutun gescheitert ist.
    • Lesen Sie regelmäßig, und vor allem bei Zweifeln, in dieser positiven Sammlung!

Wechseln Sie Ihre Perspektive!

  • Erkennen Sie, dass auch Superhelden mal scheitern und wir dies oft bei anderen Menschen nicht sehen.
  • Suchen Sie sich ab und zu explizit Projekte aus, die schief gehen dürfen; lernen Sie, dies „auszuhalten“.
  • Unterscheiden Sie genau zwischen Gefühlen und Fakten. Wir alle fühlen uns mal unfähig oder dumm. Aber nur, weil man sich so fühlt, heißt das nicht, dass es auch der Wahrheit entspricht. Gucken Sie von außen auf die Situation.
  • Benennen Sie die Impostor- Gefühle und sagen Sie sich: Das bin nicht ich. Das ist das Impostor-Syndrom; geben Sie ihm ruhig einen Namen. So können Sie aktiv dagegen vorgehen.

Suchen Sie sich Hilfe!

  • Sprechen Sie mit Freunden über Ihre Angst und Scham. Allein schon, der eingebildeten Schwindelei einen Namen zu geben, kann nützlich sein, sich davon zu befreien.
  • Suchen Sie sich im engen Kreis eine/n Verbündete/n, mit der/dem Sie gegenseitig Loblieder aufeinander singen können.

Und wenn Sie Ihre negativen Gedanken und Gefühle gar nicht steuern können, sollten Sie sich einem Profi anvertrauen. Es ist keine Schande, um Hilfe zu bitten. Suchen Sie sich einen Experten, der dazu ausgebildet ist, Menschen zu helfen, die unter psychischem Druck stehen.

Wenn Sie das Problem innerer Selbstzweifel erkennen (Glückwunsch, dies ist der erste Schritt), benennen Sie es offen und laut – das ist der zweite Schritt; und dann formulieren Sie gezielt Ihre negativen Gedanken in positive um. Sie verdienen für harte und gute Arbeit genau den Erfolg. Loben Sie sich selbst.

Seien Sie offen und ehrlich mit sich!

Wenn Sie diesen Artikel gelesen haben und nicht sicher sind, ob Sie vielleicht selbst betroffen sind, schreiben Sie mir einfach eine Mail an kontakt@naeserconsulting.de und ich schenke Ihnen den Fragebogen zur Selbstauswertung.

Diesen Spruch haben Sie sicherlich schon so oder in anderen Varianten gehört oder gelesen. Was steckt denn wirklich dahinter? Welche Ideen sollten Ihnen kommen, wenn Sie darüber nachdenken? Welche Assoziationen haben Sie, wenn Sie diesen Ausspruch lesen oder hören?

Sehen wir uns erst einmal an, auf welche Themenbereiche sich die Wendung beziehen könnte. Als erstes fällt sicherlich die Arbeitsumgebung, der Job, die einzelne Tätigkeit dazu ein. Dies ist auch der am häufigsten genannte Bereich. Sie können ihn aber genauso in Ihrem privaten Umfeld verwenden; in der Beziehung zu Freunden, bei der Ausübung Ihrer Hobbys, ja sogar in Ihrer Zweier-Beziehung.

Love it?

Wenn wir etwas lieben, fällt uns die Beschäftigung damit leicht. Wir können unheimlich viel Energie in die Sache, Person oder Tätigkeit investieren, ohne dass es uns wirklich anstrengt. Wir erleben Freude bei der Ausführung vielleicht sogar bis hin zum „flow“, in dem alles von alleine zu fließen scheint. Das sind die Momente, die wir genießen können, in denen es uns richtig gut geht. Wieso können wir nicht immer so leben?

Was, wenn „love it“ nicht zutrifft?

Viele von uns kennen das Gefühl: Hier läuft etwas falsch. Innere Widerstände bauen sich auf, die uns frustrieren, ärgerlich oder auch traurig machen. Was kann passiert sein? Im Arbeitsumfeld ist vielleicht die Tätigkeit genau die, die wir lieben, nur die Kollegen oder Chefs verstehen nicht, was wir brauchen, um hier zufrieden arbeiten zu können. Oder das Arbeitsumfeld passt, wir beschäftigen uns aber mit Dingen, die uns nicht interessieren und die wir auch nicht wirklich gerne tun, so dass es uns dann meistens auch schwerfällt. Es kann auch sein, dass rund um unsere Arbeit alles perfekt ist und wir nur jeden Tag eine lange und stressige An- und Abfahrt haben, die nachwirkt.

Solche Situationen können auch im privaten Umfeld vorkommen. Im Verein machen wir genau das, was wir gerne wollen; vielleicht gibt es dort aber ein paar andere Mitglieder oder Umstände, die uns nerven. Vielleicht sogar bis zu dem Zeitpunkt, wo wir lieber unser Hobby aufgeben als so weiter zu machen.

Auch im Freundeskreis kann so ein Setting vorkommen; wir treffen uns beispielsweise sehr gerne mit unseren Freunden, doch leider wird – aus unserer Sicht – zu sehr auf Themen herumgeritten, die uns entweder überhaupt nicht interessieren oder sogar runterziehen. Vielleicht werden wir sogar als seelischer Mülleimer missbraucht.

Und nicht zuletzt, wie sieht es in unserer Beziehung aus? Welche Dinge stören uns so sehr, dass wir jedes Mal, wenn sie geschehen, innerlich aufgewühlt werden. Was ist unsere Beziehung noch wert und was hält uns zusammen?

Wenn Sie solche Dinge selber erleben, dann gibt es verschiedene Möglichkeiten, damit umzugehen.

Change it

Unter „change it“ fasst man alle Handlungsoptionen zusammen, die man selbst beeinflussen kann. Nur dann, wenn es im eigenen Einflussbereich liegt, kann der „Change“ herbeigeführt werden. Wenn Ihre Aufgaben z. B. nicht Ihren Kompetenzen entsprechen, sollten Sie genau dies bei Entscheidern thematisieren. Gespräche mit Führungskräften, gerade auch vom Untergebenen initiiert, können Wunder bewirken.

Genau dieses Zauberwerkzeug, das Gespräch, können Sie in vielen Situationen einsetzen. Überlegen Sie sich zuvor, was genau Sie erreichen möchten. Wie können Sie es sagen, ohne den anderen zu verletzen? Da ist es ein guter Ansatz, immer aus der eigenen Perspektive zu sprechen, konkrete Situationen zu schildern und Gefühle zu offenbaren. Überlegen Sie sich gut, was Ihr Antreiber ist und welches Bedürfnis Sie für sich erfüllen wollen.

Eine weitere gut funktionierende Möglichkeit ist, die eigene Einstellung zu ändern. Machen Sie Ihren Job nur des Geldes wegen, dann fragen Sie sich: Was kann ich mit dem Geld alles machen? Wenn Sie dann bei der Arbeit genau daran denken, was Sie mit dem hart erarbeiteten Geld alles erreichen können, ist diese Arbeit schon viel leichter zu ertragen. Sie arbeiten ja für etwas, was Ihnen wichtig ist. Sie können sich innerlich entscheiden, „ja“ zu genau diesem Job zu sagen.

Und wenn das störende Thema „nur“ die lange, langweilige Anfahrt ist, dann können Sie versuchen, sich diese Zeit zu versüßen. Hören Sie schöne Musik, vertiefen Sie sich in Hörbücher oder nutzen Sie, wenn Sie nicht selber aktiv am Straßenverkehr teilnehmen, die Zeit, um interessante Sachen zu lesen oder Gespräche zu führen.

Leave it

Wenn Sie die „change it“-Optionen ausgeschöpft haben und zum Schluss kommen, dass Sie sich nur durch einen „harten Einschnitt“ helfen können, dann verlassen Sie die Situation – leave it. Im beruflichen Kontext bedeutet dies, dass Sie sich etwas Neues suchen. Privat kann eine solcher Einschnitt sogar den Bruch mit Freundschaften oder dem Partner bedingen. Wenn Ihnen etwas nicht guttut, Sie aber durch Ihre Einstellung zum Thema oder durch Gespräche nichts ändern können, bleibt nur das „Gehen“. Wägen Sie alle Optionen sorgfältig ab. Und dann trauen Sie sich.

Fazit

  • Ändern Sie die Dinge, die Sie selber ändern können, auf die Sie durch Änderung Ihrer inneren Einstellung Einfluss haben
  • Wenn es um Beziehungen zwischen Menschen geht, dann sprechen Sie es an.
  • Wenn Sie keinen Ausweg sehen, beenden Sie es.

Offene Gespräche können Wunder bewirken!

 

Nein sagen – ja bitte!

Gehören Sie auch zu dem Personenkreis, dem es sehr schwerfällt, „nein“ zu sagen? Egal, ob der Chef Ihnen kurz vor Feierabend noch eine neue Aufgabe gibt, der Kollege sich lang und breit über seine neueste Beziehung auslässt oder die beste Freundin dringend Ihre Unterstützung braucht. Sie fragen sich gar nicht, ob sie das wirklich hören oder tun wollen. Sie machen es – und opfern ihre Zeit für andere. Was geschieht mit ihnen in diesen Situationen? Ärgern Sie sich über sich? Wenn es Sie wirklich stört, dass Sie zu oft „ja“ sagen, dann gucken Sie sich diese Situationen genauer an. Denken Sie darüber nach, was ein verpasstes „nein“ langfristig für Sie bedeutet.

Wieder mal ein „nein“ verpasst?

Ein verpasstes „nein“ sorgt dafür, dass ich meine eigenen Bedürfnisse nach hinten stelle und das, was ich eigentlich in dieser Zeit hätte tun wollen, nicht schaffe. Es raubt Zeit. Bei jedem leichtfertig vergebenen „ja“ in Situationen, in denen ich viel lieber „nein“ sagen würde, verschiebe ich – ungewollt – meine persönliche Grenze aus Sicht des Gegenübers. So wird mein Handlungsspielraum, meine persönliche Freiheit, immer kleiner. Und Grenzen, die ich freiwillig verschoben habe, kann ich später nur unter größerer Anstrengung wieder erweitern. Je kleiner mein Handlungsspielraum ist, desto schwieriger wird es für mich, alle Dinge dort unterzubringen. Und das erhöht meinen Stresspegel merklich.

Warum sage ich „ja“ – und meine eigentlich „nein“? 

Sage ich bei Extraaufträgen vom Chef immer „ja“, weil ich mir dadurch eine Karrierechance erhoffe? Oder habe ich Angst vor etwaigen Konsequenzen? Höre ich den Erzählungen und Geschichten meiner Kollegen und Freunde so gerne zu, weil die Geschichten spannend sind und mich wirklich interessieren? Kann ich vielleicht gar nicht genau begründen, warum ich meine Zeit fremdbestimmen lasse?

Helfe ich gerne meinen Freunden und stehe immer bereit, wenn sie Unterstützung brauchen? Mache ich das, weil ich gerne helfe und meine Zeit und Unterstützung verschenke? Mag ich das Gefühl, gebraucht zu werden? Wenn ich diese Anerkennung dann bekomme, kann das den Stress durch die weniger verfügbare Zeit kompensieren, wenn nicht, erhöht es meinen Stresslevel.

Gerade im beruflichen Kontext muss ich mir sehr genau überlegen, wozu ich „ja“ sage und wann ich mein „nein“ einsetze. Gerade für ein stressfreieres Selbstmanagement ist die Abgrenzung durch ein gezielt eingesetztes „nein“ die wirksamste Methode.

Ein „nein“ zur rechten Zeit wirkt wahre Wunder

Als ich nach der Geburt meines Sohnes nach sechs Monaten wieder in die Arbeit eingestiegen bin, war für meinen Arbeitgeber ganz klar, dass ich sehr feste Arbeitszeiten haben würde. Ich habe morgens und abends gestillt, so dass ich pünktlich Feierabend machen musste. Und auch später bin ich immer spätestens um 17:30 Uhr aufgebrochen, um mein Kind von der Tagesmutter abzuholen. Auch diese hatte ein Recht auf einen pünktlichen Feierabend. Hätte ich zu zusätzlichen Aktivitäten am Arbeitsplatz „ja“ gesagt, hätte meine Tagesmutter mein Handeln „ausbaden“ müssen. Und – oh Wunder – meine Haltung wurde akzeptiert, obwohl ich in leitender Position als Projekt- und später als Abteilungsleiterin tätig war. Diese Klarheit und mein bewusstes Grenzen-Setzen brachten mir persönliche Freiheit und reduzierten mein Stresslevel.

Wie sage ich’s?

Auch, wenn wir alle schon im zarten Alter von einem Jahr gelernt haben, „nein“ zu sagen, kommt es uns oft nur schwer über die Lippen. Viele Menschen haben bereits die Erfahrung gemacht, dass ein „nein“ oft auch zur Verschlechterung der Beziehung mit dem Gegenüber geführt hat. Übernehmen Sie die Prinzipien aus dem Harvard-Konzept in Ihre persönliche „nein“-Kommunikation:  Klar in der Sache, weich im Ton.

Mit Hilfe spezieller Antworttechniken können Sie ein „nein“ auf der Sachebene klar vermitteln und die persönliche Ebene unbeschadet lassen.

Folgende Schritte helfen Ihnen, sicher und gekonnt „nein“ zu sagen.

  1. Positive Beziehungsbotschaft
    Wertschätzung oder ein freundliches Wort für den anderen:
    „Vielen Dank für das Vertrauen, das Sie in mich setzen.“
    „Ich würde Ihnen wirklich sehr gerne helfen.“
  2. Klares Nein
    Wenn Sie „nein“ sagen, muss es beim anderen klar und unmissverständlich ankommen. Kein „eigentlich“ oder „lieber nicht“ oder „nur, wenn es nicht anders geht“, sondern
    „Es geht wirklich nicht.“
    „Auf gar keinen Fall können wir das machen.“
    „Ich stehe für diese Sache nicht zur Verfügung.“
  3. Kurze Begründung
    Begründen Sie das „nein“ kurz und knapp. Gehen Sie nicht in die Details, rechtfertigen Sie sich nicht, denn das lädt den anderen zum Diskutieren und zum Widerspruch ein.
  4. Alternativen
    Zeigen Sie dem anderen Alternativen auf, eine Richtung, in die er weiterdenken kann. Zum Beispiel einen Termin, bis wann Sie ihm das Gewünschte doch geben könnten, oder einen Tipp, wohin er sich wenden kann oder eine Idee, wie er stattdessen verfahren kann.

Gekonnt abwägen

Meist fühlen wir instinktiv in unserem Unterbewusstsein, in welchen Situationen es richtig und wichtig ist, „nein“ zu sagen. Denken Sie darüber nach, wann Sie „nein“ und wann Sie „ja“ sagen möchten. Und dann: Machen Sie es einfach – probieren Sie es aus. Üben Sie zunächst in „unbedeutenden“ Situationen, „spielerisch“ im Freundes- oder Familienkreis. Es ist Ihre Zeit. Sie können jede Minute nur einmal einsetzen. Gerade, wenn Sie viel um die Ohren haben, ist es sinnvoll, mit Ihrer Zeit hauszuhalten und Ihr Stresslevel zu beobachten.

Und nicht zuletzt gilt als Faustregel: „Nein“ sagen, wenn möglich, „ja“ sagen, wenn nötig.